VivaceAdvent 2019
- Sybille
- 30. Dez. 2019
- 1 Min. Lesezeit

Hier der Link zur kompletten Playlist bei Spotify:
Cantique de Jean Racine, op. 11, Gabriel Fauré; The Choir of Trinity College
Da, das Wort, dem Höchsten gleich, unsere einzige Hoffnung, ewiger Tag der Erde und des Himmels, wir brechen das Schweigen der friedvollen Nacht: göttlicher Erlöser, richte deinen Augen auf uns.
Fauré vollendete die Vertonung im Jahr 1865 noch als Student für einen Kompositionswettbewerb und erzielte den ersten Preis. Das Werk weist auf sein späteres Requiem voraus, mit dem es oft zusammen aufgeführt wird.
Deine Söhne seine gesegnet, Riku Niemi: Kari Kriikku
Stimmungsmäßig stecken wir mit diesem Stück noch halb im November. Aber das zweite Motiv erinnert doch sehr an „Maria durch ein’ Dornwald ging“. Die Komponistin ist die Israelin Ora Bat Chaim, Ehefrau von Giora Feidman, dem berühmten Klezmer-Klarinettisten Die Anklänge an die Klezmer-Musik sind nicht zu überhören. Aus der November-Stimmung reißt einen der eine kurze Ausbruch in der Musik bei Minute 2:40. Wie ein Protestschrei - der aber doch schnell wieder verebbt. Aber mit dem Anklang an das deutsche Adventslied ist ja schon ein Versprechen auf Kommendes gegeben. Den Solisten, Kari Kriikku, einen Finnen, habe ich übrigens vor Jahren hier in einem Neujahrs-Konzert mit zwei Stücken von seiner CD gehört, interessanter, lockerer Typ.
Doppelkonzert für Oboe und Violine in d-moll, BWV 1060 I. Allegro, Johann Sebastian Bach; Leon Gossens, Yehudi Menuhin
Ab dem Jahr 1723 bekleidete Johann Sebastian Bach das Amt des Leipziger Thomaskantors. Bis zu seinem Tod 1750 war das eine erfolgreiche und schaffensreiche Zeit in seinem Leben. Neben seinem Dienst als vielbeschäftigter Kirchenmusiker und Lehrer schuf Bach in Leipzig auch viel Instrumentalmusik. Er komponierte sie für das von ihm geleitete "Collegium musicum", ein aus Studenten, Musikliebhabern und einigen Profis zusammengesetztes Orchester. Da es noch keine Konzertsäle gab, spielte man vom Herbst bis zum Frühjahr einmal wöchentlich im großen Kaffeehaus Zimmermann in der Stadtmitte und im Sommer in einem Gartenlokal vor den Toren Leipzigs. Offenbar boten diese Veranstaltungen ein buntes Programm in unterschiedlichen Besetzungen. Viele von Bachs dort aufgeführten Instrumentalwerken waren Bearbeitungen von früher komponierten Stücken. Vor allem während seiner Zeit in Köthen (1717 bis 1723) hatte er bereits viel Orchester- und Kammermusik geschrieben, die er nun wieder nutzen konnte.
Noch Johann Adam Hiller, einer seiner Nachfolger im Amt des Thomaskantors, schwärmte 1784 über Bach: "Als Klavier- und Orgelspieler kann man ihn sicher für den stärksten seiner Zeit halten". Einen besonderen Stellenwert in seinem Instrumentalschaffen nehmen daher die für seine Familie verfassten Cembalokonzerte ein. Sie stellen das von ihm und seinen Söhnen virtuos beherrschte Tasteninstrument in den Vordergrund. Mit all diesen Werken bereitete Bach die spätere Gattung Klavierkonzert vor. Neben den sieben Konzerten für Solo-Cembalo und Orchester existieren auch Konzerte mit mehreren Solo-Instrumenten. Aus diesem Fundus hier also das Konzert für zwei Cembali, Streicher und Basso continuo BWV 1060. Es ist eines von Bachs bekanntesten Werken, was auch an den eingängigen Melodien liegt. Ursprünglich waren die Soli in diesem Doppelkonzert mit Violine und Oboe besetzt, beide in der Barockzeit bevorzugte Soloinstrumente. Doch von Bach überliefert ist nur die 'Bearbeitung' für zwei Cembali und Orchester, entstanden um 1733/1734 in Leipzig. Sie wird seit dem 19. Jahrhundert oft mit zwei Konzertflügeln gespielt, etwa in den 1840er Jahren von Felix Mendelssohn Bartholdy und Clara Schumann in Leipzig. Hier also in der Ur-Besetzung in einer fast schon historischen Fassung mit Yehudi Menuhin.
An die Hoffnung, op. 124, Max Reger; Christa Ludwig
O Hoffnung! Holde! Gütiggeschäftige! Die Du das Haus der Trauernden nicht verschmähst, Und gerne dienend, Edle! zwischen Sterblichen waltest und Himmelsmächten, Wo bist du? wenig lebt’ ich; doch atmet kalt Mein Abend schon. Und stille, den Schatten gleich, Bin ich schon hier; und schon gesanglos Schlummert das schaudernde Herz im Busen. —- Im grünen Tale, dort, wo das rasche Quell Vom Berge täglich rauscht, und die liebliche Zeitlose mit am Herbsttag aufblüht, Dort, in der Stille, du Holde, will ich Dich suchen, oder wenn in der Mitternacht Das unsichtbare Leben im Haine wallt, Und über mir die zimmerfrohen Blumen, die blühenen Sterne glänzen, O du des Äthers Tochter! erschein dann Aus deines Vaters Gärten, und darfst du nicht Ein der Geist der Erde, kommen, o Schrecke mit anderem nur das Herz mir.
Psalm 91, Giacomo Meyerbeer; Rheinische Kantorei
Giacomo Meyerbeer vertonte den wortgewaltigen Psalm 1853 für zwei vierstimmige Chöre (mit Soli) als Auftragskomposition Friedrich Wilhelms IV. für den neu gegründeten Staats- und Domchor. UA am 8. Mai 1853 in der Friedenskirche zu Potsdam
6 Sprüche op. 79 No. 5 Im Advent, Felix Mendelssohn Bartholdy; Kammerchor Stuttgart
Der alttestamentliche Psalm 95 fordert den Menschen auf, niederzuknieen und Gott anzubeten. Damit nimmt der Text das Bild von das Jesuskind anbetenden Hirten an der Krippe von Bethlehem vorweg.
Felix Mendelssohn Bartholdy vertonte Psalm 95 im Jahr 1838. Im christlichen Verständnis kündigen die Texte des Alten Testaments das Kommen von Jesus Christus als Messias und Sohn Gottes an – daher passt der Text von Psalm 95 auch gut in die Weihnachtszeit. Die Bibel erzählt im Lukasevangelium, wie die Hirten auf dem Feld von einem Engel die Nachricht erhalten, dass im Stall von Bethlehem der Messias geboren worden ist. Sie kommen zur Krippe und loben Gott, dass alles so eingetroffen ist, wie es der Engel ihnen gesagt hat. Psalm 95 thematisiert das segensreiche Handeln Gottes an den Menschen. Deswegen fordert der Text alle auf, dem Herrn zu frohlocken, wie es heißt. Wie kaum ein zweiter Komponist im 19. Jahrhundert vertonte Felix Mendelssohn Bartholdy farbenfroh, klangreich und originell die alttestamentlichen Psalmen. Mal eher schlicht für Chor ohne Begleitung, dann wieder groß angelegt für Gesangssolisten, Chor und Sinfonieorchester. 5 dieser großen Psalmenvertonungen komponierte Mendelssohn Bartholdy in der Zeit von 1830 bis 1843. Gattungstechnisch sind sie als religiöse Musik irgendwo zwischen den Oratorien von Mendelssohn und Georg Friedrich Händel und den Kantaten von Johann Sebastian Bach anzusiedeln. Felix Mendelssohn Bartholdy reizte die Sprachgewalt und Tiefe der alttestamentlichen Texte, auch mit Psalm 95 beschäftigte er sich lange. Für die Komposition stellte er die Verse etwas um, damit die Musik dramaturgisch seinen Vorstellungen folgen konnte. Wie bei einer Kantate wechselt die Besetzung von Abschnitt zu Abschnitt. Drei große Themen finden sich in dem Psalm. Die Aufforderung, Gott anzubeten und zu loben, dann die Beschreibung, dass Gott den Menschen gut tut und er wie ein Hirte zu seinen Schafen ist. Und schließlich die Mahnung und Erinnerung, wie schlecht es den Menschen ging, als sie ihr Herz verstockt hatten und nicht auf Gott hörten. Mit dieser eindringlichen Bitte zu mehr Gottesfurcht endet der Psalm.
Fantasiestücke op. 73, Nr. 1, Robert Schumann; Sol Gabetta, Hélène Grimaud
Zitiert aus dem Kammermusikführer: "In seinen späten Jahren ab 1849 überwog in Robert Schumanns Kammermusik das „kleine Genre“ (Wasielewski) der Romanzen, Fantasiestücke und Idyllen. Wegen ihres durchweg beschaulichen Charakters und ihrer schlichten Formen hat man sie als Rückzug des Komponisten in die biedermeierliche Idylle gedeutet, ja geradezu als Flucht ins häusliche Glück vor den revolutionären Wirren von 1848/1849 (Dresdner Maiaufstand). Tatsächlich war der späte Schumann mit diesen kurzen, drei- bis fünfteiligen Zyklen jedoch nicht weniger innovativ als mit vielen seiner früheren Werke, denn sie zogen eine ganze Flut von ähnlichen Stücken bei Komponisten wie Reinecke, Bruch, Herzogenberg u.a. nach sich. In ihrem Bemühen um Schlichtheit des Ausdrucks, um einen „Volkston“, der dem Interesse der demokratisch bewegten Öffentlichkeit um 1848 an allgemein verständlicher Kunst entgegenkam, entsprachen sie dem Zeitgeist. Zugleich waren sie ein Abbild Schumannscher Innerlichkeit, „zarte, duftende Blumen, die keinen Triumphzug durch den Salon machen wollen, sondern im stillen Kreise das Gemüth erquicken werden.“
Valse Triste op. 44, Jean Sibelius; Berliner Symphoniker
Das wohl bekannteste Stück von Sibelius, ursprünglich als Teil der Bühnenmusik für das Drama Kuolema geschrieben, bearbeitete er einige Stücke zwei Jahre nach der Uraufführung neu. Lt. Wikipedia trat er die Rechte an dem Walzer für sehr wenig Geld an einen Verleger ab, der daran ein Vermögen verdiente.
Konzert für Klavier, Trompete und Streicher Nr. 1 c-moll, op.35 II. Lento, Dimitri Schostakowitsch; Mikhail Rudy,
Jesus schläft, was soll ich hoffen BWV 81, Johann Sebastian Bach; Bach Collegium Japan
Bach schrieb die Kantate in seinem ersten Jahr in Leipzig für den 4. Sonntag nach Epiphanias und führte sie am 30. Januar 1724 erstmals auf. Der 4. Sonntag nach Epiphanias ist selten und kommt nur in Jahren vor, in denen Ostern spät liegt. Die vorgeschriebenen Lesungen waren Röm 13,8-10 LUT und Mt 8,23-27 LUT, die Sturmstillung. Der Textdichter ist unbekannt, Erdmann Neumeister und Christian Weiss wurden vorgeschlagen. Der Dichter bezieht sich auf das Evangelium und zeigt Jesus als verborgen (schlafend) und offenbar (handelnd), ähnlich wie in Mein Gott, wie lang, ach lange?, 1716 in Weimar geschrieben und drei Wochen zuvor wieder aufgeführt. Die Worte des vierten Satzes zitieren das Evangelium: „Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?“ Der Schlusschoral ist die zweite Strophe von Johann Francks Jesu meine Freude.
Suite Antique I. Prelude, John Rutter; The London Sinfonia
Die Besetzung dieses Stückes gleicht der des Brandenburgischen Konzertes Nr. 5 (Harfe, Flöte und Streicher), denn es wurde anlässlich einer Aufführung desselben im Jahr 1979 komponiert.
Morning Star, Arvo Pärt; Ars Nova Copenhagen
Uraufgeführt 2007 in der Kirche St. Martin-in-the-Fields in London zum 175. Jubiläum der Durham University
Prayer above the tomb of St Bede in Durham Cathedral
Christ is the morning star, who when the night of this world is past brings to his saints the promise of the light of life and opens everlasting day.
3 Kirchenmusiken op. 23 MWVSD 7, Nr. 3 Mitten wir im Leben sind, Felix Mendelssohn Bartholdy; Kammerchor Stuttgart
Aus dem Kammermusikführer:
Der achtstimmigen Motette liegt ein Choral von Martin Luther zugrunde. Mendelssohn versucht hier den alten Choral mit seinen archaischen Wendungen zu einer Synthese zwischen dem romantischen Ausdrucksbedürfnis und seinem Ideal einer Kirchenmusik zu bringen, die ganz rein, untheatralisch sein müsste und dabei dennoch das Innere erheben sollte. Zu seinen größten Eindrücken von der Kirchenmusik in Rom gehörte jener Augenblick, als nach stundenlangem Psalmodieren der gesamte Chor einsetzte und endlich ein vollständiger Akkord zu hören war: „Dieser Anfang und der allererste Klang haben mir eigentlich den meisten Eindruck gemacht … Nach der Stille kommt ein schön gelegter Akkord; das thut ganz herrlich und man fühlt recht innerlich die Gewalt der Musik.“ Dieser Moment ist auch in Mendelssohns Motette ganz unmittelbar erfahrbar: Die Lutherische Choralmelodie ist zunächst in schlichten und archaisierenden Harmonien gesetzt und bleibt dicht am Original, bis sie nach zwei Zeilen in groß angelegte Fermaten mündet. Die plötzlich weit gespreizte Lage dieser Fermatenakkorde mit Oktavierungen in die Höhen der Soprane und die Tiefe der Bässe bewirkt eine unwillkürliche Emphase, die auf den Hörer geradezu körperlich wirkt und beeindruckt (bis heute macht sich die Musik des Hollywoodschen Gefühlskinos diesen Effekt zunutze).
Wenn sich dann im weiteren Verlauf der Motette freiere Themenbildungen kontrapunktisch verzahnen, gibt dies Raum für eine Meditation, ein „Lauschen ins eigene Innere“. Dies war für Mendelssohn in diesen frühen Jahren eine wesentliche Funktion „gottesdienstlicher“ Musik, die er sonst nur von altitalienischer Vokalpolyphonie erfüllt fand.
Violinsonate Nr. 3 c-moll op. 45 II. Allegretto grazioso, Edvard Grieg; Renaud Capucon, Khatia Buniatishvili
Griegs Opus 45 ist ganz dem Charakter der „Schicksalstonart“ c-Moll verpflichtet. Wie Beethovens Fünfte Sinfonie schreitet sie „per aspra ad astra“ voran: von einem aufgewühlten Kopfsatz in c-Moll über eine träumerische Romanze im weit entrückten E-Dur bis zu einem stürmischen c-Moll-Finale, in dessen Verlauf endlich das erlösende C-Dur erreicht wird.
Die Romanze des Mittelsatzes ist relativ rasch gehalten. Die Geige überlässt zunächst dem Klavier das Feld. Es stimmt ein 44 Takte langes, himmlisch süßes Thema an, das die Violine zu simpelster Klavierbegleitung wiederholt. Der e-Moll-Mittelteil bringt tänzerischen Scherzo-Tonfall ins Spiel: Ein robuster norwegischer Tanz erinnert entschieden an die Volksmusik von Griegs Heimat, bevor die E-Dur-Romanze wiederkehrt. Dieses Mal aber wird sie von Appassionato-Triolen des Klaviers untermalt, in der Coda gar von einem chromatisch absteigenden Bass, der schon den düsteren Beginn des letzten Satzes andeutet.
Klaviersonate Nr. 14 c-moll KV 457 II. Adagio, Wolfgang Amadeus Mozart; Vadim Chaimovich
Wie es heißt, habe diese Sonate mit ihrer pathetischen Klangsprache, der Gestaltung des Haupt- und Seitenthemas sowie bestimmter pianistischer Mittel Ludwig van Beethoven stark beinflusst. So sei gerade Mozarts c-Moll-Sonate ein gutes Beispiel für Verbindungen auf der thematischen und klanglichen Ebene wie der des Klaviersatzes. In seiner[Beethovens] in derselben Tonart geschriebenen Pathétique lässt sich das Vorbild gut heraushören. So finden sich die unruhigen Oktavtremoli bei Beethoven ab Takt 11 (Allegro molto econ brio) als Begleitung des ersten Themas nach der Grave-Einleitung.
Auch der zweite Satz, das Adagio in As-Dur, findet sich in der Sonate wieder, indem Beethoven den Beginn deutlich erkennbar übernahm.[3]
An die Hoffnung op. 32, Ludwig van Beethoven; Werner Güra
Die du so gern in heil'gen Nächten feierst Und sanft und weich den Gram verschleierst, Der eine zarte Seele quält, O Hoffnung! Lass, durch dich empor gehoben, Den Dulder ahnen, dass dort oben Ein Engel seine Tränen zählt!
Der Text von An die Hoffnung aus «Urania» von Christoph August Tiedge hatte Beethoven zu zwei ganz gegensätzlichen Vertonungen inspiriert: zunächst entstand ein Strophenlied, doch zehn Jahre später gestaltete er den Inhalt ganz durchkomponiert, wie ein Arioso mit Rezitativ-Einschüben.
An die Hoffnung op. 94 Ludwig van Beethoven; Anja Harteros
Ob ein Gott sei? Ob er einst erfülle, was die Sehnsucht weinend sich verspricht? Ob, vor irgendeinem Weltgericht, Sich die rätselhafte Sein enthülle? Hoffen soll der Mensch! Er frage nicht!
Dem schon einmal (1805) als op. 32 vertonten, dreistrophigen "Lied an die Hoffnung" aus Christoph August Tiedges "Urania" hat Beethoven bei der 2. Komposition (Op. 94) die einleitende, durch das freie Metrum abgehobene (also im Text nicht zum "Lied" gehörige) Strophe "Ob ein Gott sei?..." vorangestellt. Da diese 5 Verse in der zu op. 32 benutzten Ausgabe noch nicht existierten, muß Beethoven für op. 94 eine neuere Ausgabe zur Verfügung gestanden haben. Im Oktober 1811 schrieb er an den Dichter, den er im Sommer persönlich kennenglernt hatte, und bat um die Neuauflage. In Beethovens Nachlaß befand sich die "Urania"-Ausgabe von 1808; in ihr steht die einleitende Strophe.
Going Home; Leonard Cohen
Heute mal aus einem etwas anderen Genre, aber auch „musikalische Weltliteratur“, wenn man so will. Nicht wenige meinten, als Bob Dylan 2016 den Nobelpreis für Literatur bekam, dass Leonard Cohen der viel würdigere Preisträger gewesen wäre. Cohen war ja hauptsächlich Lyriker und erst dann Sänger. Jedenfalls ein überaus faszinierender Künstler mit einer Sprache voller rätselhafter Metaphern.
Diese Stimme! Er singt ja gar nicht, sondern flüstert in tiefstem Bass. Und lässt sich von einem jubelnden Frauenchor begleiten, und ein paar spärlichen Instrumenten-Akkorden. Eines seiner letzten Alben, die ich eine Weile beim Autofahren rauf und runter gehört habe. Allein die erste Zeile in ihrer ironischen Selbstbezüglichkeit finde ich schon herrlich:
I love to speak with Leonard He's a sportsman and a shepherd He's a lazy bastard Living in a suit.
There is a flower, John Rutter; The King's Singers
Noch einmal John Rutter, der ja besonders für seine Carols bekannt ist. Hier gesungen von den King's Singers, mit denen Rutter eine lange Zusammenarbeit verbindet. Der Text stammt aus dem 15. Jahrhundert.
Though Amaryllis dance in Greem, William Byrd; The Cambridge Singers
Dieses Madrigal stammt aus dem 16. Jahrhundert; William Byrd wahr der bedeutendste Komponist des elisabethanischen Zeitalters und Zeitgenosse. John Rutter leitet hier die von ihm gegründeten Cambridge Singers.
Hansel und Gretel, Ouvertüre, Engelbert Humperdinck; Staatskapelle Dresden
Ein Klassiker im Opernrepertoire und längst nicht nur für Kinder. Die spätromantischen Klänge in der Nachfolge von Wagner, die viel volksliedhaftes Material hat. Tatsächlich hat Humperdinck nur drei Volkslieder unverändert verwendet, viele weitere Melodien sind erst durch die Oper zu Volksliedern geworden.
Das rund achteinhalb Minuten dauernde Vorspiel, das hin und wieder – losgelöst vom eigentlichen Werk – auch im Konzertsaal erklingt, beschreibt der Komponist in einem Brief an Hermann Wette vom 16. Dezember 1891 wie folgt:
„Vergangenen Sonntag habe ich auch die Ouvertüre niedergeschrieben, die ein ziemlich ausgedehntes Musikstück geworden ist, eine Art symphonischer Prolog, den man ein „Kinderleben“ betiteln könnte. Er beginnt mit dem Schutzengelchoral, von Hörnern vorgetragen, geht dann über in das „Hokus pokus“, welches wiederum der Melodie „Die Englein haben’s uns im Traum gesagt“ weichen muss, woran sich nun lustig „Die Hexerei ist nun vorbei“ in fröhlichem E-Dur anschließt. Dann klingt wieder der Choral hinein, der sich nun mit der Melodie „Die Englein haben’s etc.“ organisch verbindet und mit dem triumphierenden „Die Hokus-Pokus-Hexerei ist nun vorbei“ glanzvoll in C-Dur abschließt. Es geht etwas lärmend darin zu, aber „sunt pueri pueri, pueri puerilia tractant“ (Kinder sind einmal Kinder, als Kinder stellen sie Kindisches an) und für die derbe Knabenstimme passt eben nur die Trompete.“
Die Jahreszeiten, HOB.XXI:3 Der Winter; Joseph Haydn, Nun senket sich das blasse Jahr; Gewandhaus Kammerchor
Ein kurzes Innehalten bei der Betrachtung der winterlichen Natur
SIMON
Nun senket sich das blasse Jahr
und fallen Dünste kalt herab.
Die Berg' umhüllt ein grauer Dampf,
der endlich auch die Flächen drückt,
und am Mittage selbst
der Sonne matten Strahl verschlingt.
HANNE
Aus Lapplands Höhlen schreitet her
der stürmisch düstre Winter jetzt.
Vor seinem Tritt erstarrt
in banger Stille die Natur.Dynamiden-Walzer, Josef Strauss; Wiener Philharmoniker
Fast zum Abschluss dieses Adventskalenders darf es festlich werden. Hier kommt hier ein Walzer von Josef Strauss aus der Walzer-Dynastie. Er strebte eigentlich keine musikalische Karriere an, sondern absolvierte ein Ingenieurs-Studium, arbeitete als Bauleiter und konstruierte Straßenkehrmaschinen, bis er für seinen Bruder Johann Strauss als Kapellmeister einspringen musste. Damals komponierte er seinen ersten Walzer, "Die Ersten und die Letzten", in der Annahme, dies sei sein zugleich erstes und letztes musikalisches Werk. Am Ende sind es über 300 Stücke geworden. Seine Kompositionen gelten im Vergleich zu denen seiner Brüder als etwas schwermütiger. So ist die ungewöhnlich lange Einleitung noch recht schwermütig, aber ab Minute 2:00 gehts dann herrlich walzerselig los. Es war ein Widmungswerk für den Industriellenball in den Redoutensälen und wurde ebenda am 30. Januar 1865 uraufgeführt.
Später plagiierte Richard Strauss den Walzer 1a für die Kopf-Melodie des Walzer der Oper Der Rosenkavalier. Ah schau an, daher kam mir das Motiv so bekannt vor!
Zadok, The Priest, Georg Friedrich Händel
Diese festliche Hymne komponierte Händel zur Krönung von König George II. im Jahr 1727. Das im piano pulsierende Vorspiel nimmt dreimal Anlauf bis zum überwältigende Tutti-Einsatz bei Minute 1:25. Ab dann maximale Festlichkeit.
Hier zum Abschluss nochmals der Link:





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