22 Alles Walzer
- Sybille
- 22. Dez. 2025
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Vom Walzer ist hier ja schon häufiger die Rede gewesen. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist meist der Wiener Walzer gemeint, während im Gesellschaftstanz der Langsame (=Englische) und der Wiener Walzer unterschieden werden.
Ein Vorläufer des Walzers ist die Volta. Dieser vielleicht aus der Provence stammende Tanz war ein im 16. und 17. Jahrhundert in ganz Europa verbreiteter, sinnenfroher und temperamentvoller Paartanz, der Skandal machte durch die lebhaften Bewegungen und Drehungen, bei denen die Damen durch die Luft gewirbelt wurden und den einen oder anderen Blick auf die Beine und die Unterröcke gewährten. Als enger Paartanz gab es immer wieder die auch die Möglichkeit zu unzüchtigen Berührungen.
Für den Wiener Raum und die Zeit bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts gibt es Hinweise auf sehr schnelle Tempi beim Langaus, einem weiteren Vorläufer des Wiener Walzers, der 1825 so charakterisiert wurde: „Eine aus der Hölle kommende Erfindung eines wahnsinnigen Franzosen, der sich im Taumel der Leidenschaft den Hals gebrochen hat. Der Tanz hat mehr Unzüchtiges als Reizendes an sich, ein richtiger Veitstanz eben.“
Der Begriff Walzer wurde erstmals 1781 von Friedrich Schiller in der Ballade Eberhard der Greiner sowohl für die Musik als auch als Tanz in öffentlicher Form verwendet. Der Walzer verdrängte das Menuett und besaß den Ruf des Volkstümlichen und Deutschen gegenüber dem Aristokratischen und Französischen des Menuetts. So trat er seinen Siegeszug ausgehend vom Wiener Kongress 1814/1815 an.

Der bekannteste Wiener Walzer ist und bleibt Johann Strauß’ An der schönen blauen Donau von 1867. Er wurde zum Inbegriff der wienerischen Ballsaal-Raffinesse und gewann die Hochachtung auch »seriöser« Komponisten – Brahms beispielsweise, selbst begnadeter Tanz- und Walzerkomponist, notierte zu den Anfangstakten des Donauwalzers die längst geflügelten Worte »Leider nicht von mir«.
Mit 60 Takten pro Minute steht der Wiener Walzer als schnellster Tanz an der Spitze der Turniertänze. Die etwa halb so schnelle Version des Tanzes, der Langsame Walzer, wurde zunächst als Boston oder English Waltz bekannt.
An der schönen blauen Donau, also der Donauwalzer besteht, wie damals üblich, aus fünf einzelnen Walzern, die jeweils aus zwei Melodieteilen bestehen, mithin aus zehn einzelnen Melodien. Dem Strauss-Forscher Norbert Linke gelang der Nachweis, dass alle zehn Melodien ausnahmslos früheren Walzern von Strauss entnommen wurden und auf diese Weise wiederverwendet wurden.
Zur Uraufführung 1867 stand in der Presse: „Die Eröffnungsnummer der zweiten Abteilung war ein entschiedener Schlager“, womit musikhistorisch der Begriff „Schlager“ erstmals belegt ist.
Johannes Brahms spielte gerne Walzer am Klavier und ließ sich dazu immer wieder neu inspirieren – vor allem, wenn er wieder einmal in Wien war, in der großen Walzermetropole.
1870 wurden die "Liebesliederwalzer" zum ersten Mal in Wien aufgeführt. Brahms selbst und Clara Schumann saßen bei der Uraufführung dieser 18 kurzen Lieder am Klavier und begleiteten vier Solisten. Clara Schumann schrieb darüber in ihr Tagebuch: "Es war überfüllt, auf dem Orchesterpodium so, dass ich nie wusste, wie ich an's Klavier kommen sollte. Ich spielte sehr glücklich, das Publicum war in wahrem Enthusiasmus. Die Liebeslieder — Johannes spielte sie mit mir vierhändig – gingen reizend und gefielen sehr.“
Wenn so lind dein Auge mir




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