top of page

Musikalischer Adventskalender 2022

  • Sybille
  • 30. Nov. 2022
  • 5 Min. Lesezeit

Lange habe ich darüber nachgedacht, was in diesem Jahr ein passendes Motto für den Adventskalender sein könnte. Soll er die Schrecken dieses Jahres reflektieren, soll er unsere Verunsicherung angesichts der Veränderungen der Welt aufnehmen, unsere Ratlosigkeit, soll er Kriegsberichte und apokalyptische Vorhersagen spiegeln?


Sooft nun der böse Geist von Gott über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So wurde es Saul leichter und es ward besser mit ihm und der böse Geist wich von ihm.

Wie es David gelang, mit seinem Gesang zur Harfe (die eigentlich wohl eine Lyra war) König Saul zumindest zeitweilig aus der Schwermut zu holen, so erscheint es in diesem Jahr besonders passend, die Adventszeit mit lyrischen Tönen zu begehen.



'Zur Lyra gesungen', das ist die Wortherkunft für die Lyrik und das soll nun also das Motto für den diesjährigen Adventskalender sein: Ich will an jedem Tag ein Stück Lyrik mit passender Musik kombinieren. Das sind zuweilen Vertonungen des entsprechenden Gedichts. Oder es ist Musik, die atmosphärisch, zeitlich oder sonst irgendwie passend scheint. Manchmal gibt es Links zu weiterführenden Texten oder auch Rezitationen der Gedichte, oder das Gedicht steht für sich allein.

Frei nach dem Zitat von Charles Darwin: "Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich mindestens einmal pro Woche Lyrik lesen und Musik hören." Das werden wir jetzt einfach mal steigern und jeden Tage Lyrik und Musik wirken lassen.


Morgen geht es los. Die Links zur Musik führen euch zu den entsprechenden Stücken bei Spotify, die in einer öffentlichen Playlist gesammelt werden. Man muss keinen Account bei Spotify haben, um die Musik zu hören. Diese Playlist wächst von Tag zu Tag. Vorher schon schauen geht nicht ( anders als bei den Schokoladen-Kalendern - da kann es ja vorkommen dass ein Adventskalender nach wenigen Tagen schon "leer" ist ;-) ).


In diesem Blog könnt ihr jederzeit kommentieren oder eure eigenen Assoziationen hinzufügen, dafür einfach ganz unten ins Kommentarfeld schreiben. Auch dazu muss man kein Abo und auch kein Konto bei dem Blog-Provider haben.


Der diesjährige Adventskalender enthält wie schon in den vergangenen Jahren eine Mischung aus Lieblingsstücken und Neu-Entdeckungen. Es sind zumeist keine ausgesprochenen Weihnachts- oder Adventsstücke. Die habe ich in den vergangenen Jahren für meinen Geschmack schon weitgehend "abgegrast". Wer nachhören will, kann auf die Musikalischen Adventskalender der vergangenen Jahre zurückgreifen.


Die Texte dazu sind hier im Blog jeweils pro Jahr zusammengefasst, die entsprechenden Playlists sind jeweils direkt ansteuerbar.


Die komprimierte Playlist sämtlicher Musiklinks der vergangenen Jahre ist hier zu hören, das sind dann über neun Stunden (!) gesammelter Musik quer durch die Epochen.



Zum Weiterlesen über David und Saul:


David musiziert vor Saul, Diplomarbeit Philosophie über diese Schlüsselszene


"Die vorliegende Arbeit befasst sich mit künstlerischen Auseinandersetzungen der biblischen Geschichte, in der beschrieben wird, wie David vor Saul musiziert, um so seine Melancholie zu vertreiben. Obwohl diese Szene nur einen kleinen Teil der großen David- Geschichte im Buch Samuel einnimmt, so ist sie trotzdem sehr aussagekräftig und beeinflusste lange Zeit nicht nur Künstler und Illustratoren, sondern ebenso verschiedene Forschungsbereiche. In diesem Sinne steht David bis heute als Symbolfigur der Musik und wird neben der Heiligen Caecilia als Patron der Musiker verehrt. Sowohl für die Instrumentenkunde als auch für die Musikästhetik ergibt sich durch diese Geschichte und deren zahlreichen Darstellungen in der Kunstgeschichte ein großes Betätigungsfeld. Nicht nur die Frage welches Instrument David wirklich gespielt haben könnte, ist nach wie vor nicht ganz geklärt, sondern auch die Rolle, die David in der Kirchenmusikgeschichte einnimmt, wird weiterhin erforscht.[...] Ein weiteres Forschungsgebiet ist die Musiktherapie, für die David als erstes bekanntes Beispiel und somit Vorbild eine große Rolle spielt."



Die Lyra oder Leier


"Lyra (ital.: lira, französ.: lyre), fälschlich auch Leyer genannt, ist das älteste Saiteninstrument, dessen Ursprung auf den ägyptischen Hermes Trismegistus [sic] (d. h. der Dreimalgrößte), der als mythologisches Wesen bald mehr als Gott, bald mehr als historische Person zur Darstellung kommt, zurückgeführt wird.


Der Mythos, welcher den ägyptischen Hermes oder Mercur die Lyra erfinden ließ, sagt uns: Als der Nil nach einer langanhaltenden Überschwemmung in seine Ufer zurückgetreten war, blieb mit vielen anderen Tieren auch eine Schildkröte auf dem Lande liegen, deren Fleisch verfault und vertrocknet war, so dass sich nichts weiter vorfand, als die durch diese Vertrocknung angespannten und dadurch klingend gewordenen Sehnen unter der Schale. Zufällig mit dem Fuße die Schale dieser Schildkröte berührend, wurde Hermes durch den Klang der Sehnen so überrascht, dass er auf den glücklichen Gedanken kam, ein musikalisches Instrument daraus zu verfertigen. So die Sage von der Erfindung der alten dreieckigen und dreisaitigen Lyra. Die Griechen schrieben natürlich die Erfindung der Lyra ihrem Landesgotte Hermes zu. Dieser ist der Sage nach ein Sohn des Zeus und der Maja, der Tochter des Atlas. In einer Höhle des Berges Kyllene in Arkadien geboren, schlüpfte er einige Stunden nach seiner Geburt aus der Wiege, ging nach Pierien und stahl dem Apollo Rinder, die er nach Pylos trieb. Um nicht bei diesem Rinderdiebstahl ertappt zu werden, ging er mit den Tieren rückwärts, band ihnen Baumzweige an die Schwänze und verwischte damit die Fußstapfen. Schnell nach Kyllene zurückgekehrt, tötete er dort eine Schildkröte, spannte Saiten über die Schale und erfand so die Lyra. Apollo entdeckte aber durch seine Wahrsagergabe den Dieb seiner Rinder und überließ sie ihm gegen Abtretung der Lyra. Deshalb erscheint er, auch neben seinem Attribute als Sonnengott, als Gott des Gesanges und des die wilden Leidenschaften besänftigenden Lyraspiels, daher ihm auch neben dem "Bogen" als zweites Hauptattribut die "Lyra" gegeben wird.

Infolge der Veränderungen, welche Linos, Orpheus, Amphion und Terpander mit der Lyra vornahmen, vermehrte sich die Zahl der Saiten auf 4, 5, 7 und zuletzt auf 11. [...] Durch die verschiedene Zahl der Saiten, die verschiedene Form und die verschiedene Annahme der Erfindung dieses Instruments sind endlich auch, besonders in anderen Sprachen, verschiedene Namen für dasselbe Tonwerkzeug entstanden. Die Lyra Pythagoras, welche die Form eines Dreifußes gehabt haben soll, also wahrscheinlich wenig von der älteren dreieckigen Lyra verschieden war; die Lyra lesbia, die Lyra des Arion, die schon erwähnt wurde; die Lyra hexachordis, d. i. die 6-saitige Lyra. Die Lyra barberina war eine von Joh. Baptist Doni zu Florenz im 17. Jahrhundert erfundene Lyra. -

Die Lyra wurde beim Spiele, welches durch Reißen [Zupfen, Anschlagen] der Saiten mit einem Plektron oder auch mit den Fingern geschah, zwischen den Knien gehalten. Die siebensaitige Lyra wird beim Gesang zum Andenken ihrer Helden auch heute [um 1870] noch in Abyssinien und den angrenzenden Ländern angewendet. Ein Griffbrett, auf welchem die Saiten zur Vervollständigung oder Erweiterung der Tonleiter verkürzt werden könnten, hatte die Lyra nicht. Es enthielt oder enthält dieses Instrument demnach nicht mehr Töne als Saiten, die dann aber in verschiedenen Harmonien gestimmt werden, so dass auf mehreren der heutigen Lyren in den genannten Ländern vollständige Harmonien ausgeführt werden können.

Amphion, von den Musen unterwiesen, weihte sich der Musik und der Dichtkunst. Die Lyra, deren Saiten er vermehrte, soll er so schön und rührend haben spielen können, dass er mit seinen Tönen die Tiere des Waldes, Bäume und Felsen bezauberte. Auch Terpander, einer der berühmtesten Musiker und Dichter Griechenlands, zu Antissa auf Lesbos um 700 v. Chr. geboren, soll auf der Lyra ein für seine Zeit großer Meister gewesen sein.

Übrigens wurde die ursprüngliche Lyra des griechischen Hermes (Mercur) der Sage nach zu Lyrnessus aufbewahrt, wo sie Achilles bei Eroberung dieser Stadt erbeutete - anderen Erzählungen zufolge nach dem grausamen Tode des Orpheus, der sie von Apollon erhalten hatte, von Zeus unter die Gestirne versetzt."

[Mendel Musikalisches Lexikon 1876, 477f]










 
 
 

Kommentare


©2021 VivaceBlog. Erstellt mit Wix.com

bottom of page