12. Der Mensch und das Meer
- Sybille
- 5. Dez. 2022
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Dez. 2022
Du freier Mensch, du liebst das Meer voll Kraft,
Dein Spiegel ist’s. In seiner Wellen Mauer,
Die hoch sich türmt, wogt deiner Seele Schauer,
In dir und ihm der gleiche Abgrund klafft.
Du liebst es, zu versinken in dein Bild,
Mit Aug’ und armen willst du es umfassen,
Der eignen Seele Sturm verrinnen lassen
In seinem Klageschrei, unzähmbar wild.
Ihr beide seid von heimlich finsterer Art.
Wer taucht, o Mensch in deine letzten Tiefen,
Wer kennt die Perlen, die verborgen schliefen,
Die Schätze, die das neidische Meer bewahrt?
Und doch bekämpft ihr euch ohn’ Unterlass
Jahrtausende in mitleidlosem Streiten,
Denn ihr liebt Blut und Tod und Grausamkeiten,
O wilde Ringer, ewiger Bruderhass!
Charles Baudelaire, übersetzt von Stefan George
Baudelaire (1821-1867) hat viele Komponisten inspiriert. Er war mit Wagner befreundet, traf in dessen Pariser Salon Saint-Saens und Gounod, und er bewunderte seinerseits Liszt.

Von Alban Berg über Karlheinz
Stockhausen bis zu Rolf Liebermann haben sich immer wieder Komponisten mit dem Werk von Baudelaire beschäftigt, Er gilt als der bedeutendste Lyriker der französischen Sprache und als wichtiger Wegbereiter der literarischen Moderne in Europa. Er wurde vor allem durch seine Gedichtsammlung Les Fleurs du Mal bekannt.
Die hier vorgestellte Etüde von Franz Liszt (die als eine seiner technisch anspruchsvollsten gilt) aus den "Etudes d'exécution transcendante" trägt den gleichen Namen wie ein Gedicht von Baudelaire.Offenbar entstand die Etude zuerst und Baudelaire hat sich von ihr inspirieren lassen. Insofern stellt diese Konstellation eine Ausnahme dar.




Kommentare