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5. Versöhnung - Kol Nidrei


Versöhnung

Wir wollen wachen die Nacht,

In den Sprachen beten

Die wie Harfen eingeschnitten sind.

Wir wollen uns versöhnen die Nacht –

So viel Gott strömt über.

Kinder sind unsere Herzen,

Die möchten ruhen müdesüß.

Und unsere Lippen wollen sich küssen,

Was zagst du?

Grenzt nicht mein Herz an deins –

Immer färbt dein Blut meine Wangen rot.

Wir wollen uns versöhnen die Nacht,

Wenn wir uns herzen, sterben wir nicht.

Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen.

Else Lasker-Schüler


Die heutige Musik ist das 'Kol Nidrei' von Max Bruch, gespielt von Camille Thomas, Cello und dem Brussels Philharmonic Orchestra.


“Kol Nidrei” sind die beiden ersten Worte eines wichtigen jüdischen Liturgietextes, der bei einer Andacht am Vorabend des Jom Kippur-Festes rezitiert wird. Jom Kippur bedeutet auf hebräisch 'Tag der Sühne', wird aber im Deutschen zumeist mit Versöhnungstag übersetzt.


Bruch verwendete für seine musikalische Paraphrase über diesen Text zwei alte hebräische Melodien, die er in Berlin kennengelernt hatte. Kol Nidrei ist in zwei Abschnitte gegliedert. Dem ersten, durch Pausen betonten, Teil liegt der traditionelle Bußgesang des jüdischen Jom Kippur-Festes zugrunde. Im zweiten Abschnitt des Kol Nidrei verwendet Bruch Isaac Nathans Fassung von Lord Byrons Hymne „Oh Weep for Those that Wept on Babel's Stream“.

Moll und Dur wechseln sich in dem elegisch gehaltenen Stück ab. Bruch selbst verglich das Kol Nidrei mit seiner Schottischen Fantasie Es-Dur op. 46, »da es«, so Bruch, »wie diese, einen gegebenen melodischen Stoff in künstlerischer Weise verarbeitet«.



 
 
 

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