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4 Was soll ich länger weilen

Wandern war vor der motorisierten Massenfortbewegung die normale Art des Reisens. Man war unterwegs auf Arbeitssuche, auf der Walz, als Händler oder auf der Flucht - all dies sind Formen des zweckgebundenen Wanderns.


Heute steht das zweckfreie Wandern zur Erbauung oder Ertüchtigung im Vordergrund. Aber auch das gibt es schon lange: als erster „zweckfreier“ Wanderer gilt Petrarca, der 1336 den Mont Ventoux erklomm. Sein Bericht darüber gilt vielen als Startpunkt der Renaissance (14.-17. Jahrhundert), zeugt er doch in besonderer Weise von Natur- und Selbsterfahrung. 


In der Zeit der Aufklärung wurde Wandern zum Symbol der aufklärerischen Emanzipation des Bürgertums vom Adel, hierbei nahm man insbesondere die sozialen und politischen Gegebenheiten in den Blick, während es in der Zeit der Romantik um den Blick auf die Landschaft als Spiegel des Inneren ging. Als Beispiele seien hier genannt Eichendorff, Novalis oder Ludwig Tieck.


Mit der Wandervogelbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts strebten Schüler und Studenten aus den zunehmend industrialisierten Städten, um in freier Natur eine eigene Lebensart zu entwickeln. 


Aus der Wandervogelbewegung und parallel bei den Pfadfindern entwickelte sich das Liedgut der Wander- oder Fahrtenlieder, das sich aus dem neu belebten Volkslied entwickelten. Sie drücken den Wunsch nach Freiheit aus, die Texte handeln von Aufbruch, von der Natur, von der Geselligkeit und der Einfachheit.


1951 gab der CVJM erstmals die „Mundorgel“, heraus, die Wanderlieder und Lieder christlichen Inhalts vereinte. Auch ich erinnere mich an Jugendfahrten und Stunden am Lagerfeuer mit dem damals roten kleinen Büchlein, in dem das einschlägige Liedgut versammelt war.

Der Wanderer in Schuberts Winterreise auf Gedichte von Wilhelm Müller „geht freiwillig, weil er nicht klarkommt, lässt alles hinter sich. Wandern und Reisen und die Beobachtung der Naturereignisse nutzt er zur Reflektion, bis er im letzten Lied wieder einem Menschen begegnet und damit der Hoffnung: Vielleicht halten wir es miteinander ein bisschen aus.“ Matthias Goerne, Bariton, zitiert aus dem Podcast „Klassik für Taktlose“


Als Bonus das volksliedhaft einfache "I wonder as I wander", hier von den Cambridge Singers gesungen.


 
 
 

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