3. Sehnsucht nach dem Anderswo
- Sybille
- 3. Dez. 2023
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Drinnen duften die Äpfel im Spind,
Prasselt der Kessel im Feuer.
Doch draußen pfeift Vagabundenwind
Und singt das Abenteuer!
Der Sehnsucht nach dem Anderswo
Kannst du wohl nie entrinnen:
Nach Drinnen, wenn du draußen bist,
Nach Draußen, bist du drinnen.
Masha Kaleko (1977)
Die Sehnsucht nach dem Anderswo wird erstmals von Fürst Pückler-Muskau als „Fernweh“ bezeichnet, abgeleitet von dem wesentlich älteren Begriff des Heimweh.
Fernweh ist die menschliche Sehnsucht, vertraute Verhältnisse zu verlassen und die weite Welt zu erschließen. Es ist ein Unwohlsein im Hier und Jetzt und vielleicht letztlich eine Defiziterfahrung. Ein Defizit an Anregung oder Ablenkung, an Selbsterkundung in fremder Umgebung, an Abenteuer, vielleicht im Extremfall auch die Flucht vor sich selbst, weil immer neue Reize von außen gesucht werden.
Andererseits eben auch der Wunsch und die Bereitschaft, sich auf Fremdes einzulassen, sich dem Andersartigen auszusetzen und daran für das eigene Leben zu lernen.
Musik: Bruckner, 7. Sinfonie, III. Scherzo
Ein absolutes Highlight dieses Konzertjahres, die 7. Sinfonie von Anton Bruckner unter Herbert Blomstedt in der Basilika von Kloster Eberbach. Fantastisch das Zusammenspiel des Gewandhausorchesters Leipzig mit seinem greisen Ehrendirigenten (96 Jahre!), der zwar nicht mehr gut zu Fuß ist, aber im Sitzen eine fantastische Aufführung dirigierte, und dem beim Schlussapplaus die Freude in den Augen blitzte. Hier habe ich nicht den sehr ausladenden „Trauermarsch“ des 2. Satzes gewählt, sondern das treibende Scherzo des III. Satzes, das ich als sehr lebensfroh empfinde (irgendwo las ich den Begriff „dämonisch“, das passt für mich überhaupt nicht, zumindest nicht in der Interpretation von Herrn Blomstedt). Aufbruch steht für mich über diesem Satz, und das passt ja zum Fernweh und der Sehnsucht nachneuen Gefilden.





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