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22. Say yes to the world

  • Sybille
  • 22. Dez. 2021
  • 2 Min. Lesezeit

Mit dem gestrigen Beitrag hat der Wandel nach Virilios These so sehr an Geschwindigkeit zugenommen, dass es zu einem paradoxen Stillstand kommt.


Wir haben bis hierhin gesehen, dass der Wandel schon in der Natur und den Naturgesetzen angelegt, also unausweichlich ist, dass er mal ersehnt, und mal befürchtet wird; dass er fließend oder zufällig sein kann, theatralisch oder schleichend.


Was ist das Gegenteil von Wandel? Das wäre Konstanz, Beständigkeit; ins Negative gewendet, Stillstand. Stillstand wiederum suggeriert Rückschritt - Nullwachstum - das Aussetzen lebenswichtiger Funktionen.


Oder vielleicht ist es das Innehalten im Moment.


Man könnte es mit den Stoikern halten, die das Werden und Vergehen als Kreislauf angesehen haben. (Palingenese)


“Das größte Lebenshindernis ist die Erwartung: Abhängig vom Morgen, verliert sie das Heute.“

Seneca


Oder wer mag, halte es mit Nietzsche, der die Ewige Wiederkehr (oder Wiederkunft) in das Zentrum von „Also sprach Zarathustra“ stellte und dies wiederum von den Stoikern ableitete. Die Ewige Wiederkunft ist sehr verkürzt die Philosophie, der zufolge sich alle Ereignisse unendlich oft wiederholen.

„Alles geht, Alles kommt zurück; ewig rollt das Rad des Seins. Alles stirbt, Alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins.“

Der auch in Notizen Nietzsches vielfach variierte Versuch eines naturwissenschaftlichen Beweises für die ewige Wiederkunft verläuft ungefähr folgendermaßen: Angenommen wird, dass die Zeit sich sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft unendlich ausdehnt, die gesamte „Kraft“, Materie oder Energie, und folglich die Anzahl der möglichen „Kombinationen“ oder Zustände der Welt, aber endlich ist. Daraus wird geschlossen, es müsse jeder mögliche Zustand der Welt bereits unendlich oft eingetreten sein und noch unendlich oft eintreten.


Diese „höchste Formel der Bejahung, die überhaupt erreicht werden kann“. stand für Nietzsche gegen die „Lebensverneinung der Offenbarungsreligionen (Schuld und Sünde)“.


„Nicht nach fernen unbekannten Seligkeiten und Segnungen und Begnadigungen ausschauen, sondern so leben, dass wir nochmals leben wollen und in Ewigkeit so leben wollen! – Unsere Aufgabe tritt in jedem Augenblick an uns heran.“ Der Augenblick ist es, das Heute, das Innehalten im Moment, das zu Lebensbejahung (Amor fati) führt.


"Wenn wir einen einzigen Moment bejahen, bejahen wir damit nicht nur uns selbst, sondern die ganze Existenz. Denn nichts ist selbstgenügsam, weder in uns selbst noch in den Dingen; und wenn unsere Seele nur einmal vor Glück gezittert und wie eine Harfensaite geklungen hat, so bedurfte es aller Ewigkeit, um dieses eine Ereignis hervorzubringen – und in diesem einen Moment der Bejahung wurde alle Ewigkeit gut genannt, erlöst, gerechtfertigt und bejaht." (Nietzsche’sche Affirmation)


Nietzsche hat ja übrigens auch komponiert, hier eine kleine Kostprobe. Allerdings kann man hier lesen, dass Zeitgenossen z.B. sein zeitweiliger Freund Richard Wagner seine musikalischen Werke eher verlachten.


Das soll denn auch nicht wirklich die Musik des heutigen Tages sein, sondern der dritte Satz aus Mendelssohn 3. Sinfonie, der sogenannten Schottischen Sinfonie, die ich bei nunmehr zwei Aufführungen in diesem Jahr (ich sage nur PETRENKO! - und mit Kober wars auch sehr schön) so lieben gelernt habe. Meine Lieblingsversion bei Spotify ist die mit Christoph von Dohnányi, die ich hier verlinke.


Diese Musik lässt mich still stehen und den Moment ganz bejahen.





 
 
 

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