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21. Rasender Stillstand

  • Sybille
  • 21. Dez. 2021
  • 2 Min. Lesezeit

Der Begriff des Rasenden Stillstands wurde vom französischen Denker Paul Virilio in einem Essay von 1990 geprägt.


Virilios These war, dass das nahezu erreichte paradoxe Endstadium der Geschichte der Beschleunigung ein Zustand des „rasenden Stillstands“ sein wird. Nachdem die Menschheit zunächst durch die Domestizierung des Pferdes, dann durch die Erfindung von Eisenbahn, Auto und Flugzeug immer mächtiger wurde, wird die neueste Steigerung von Beschleunigung – das Erreichen von Echtzeit dank der Übertragungstechnologien – eine neue Ohnmacht zur Folge haben. Nach jahrtausendelangem Beschleunigungsfortschritt droht eine totale Regression: Reglos dasitzend und lichtsensibel auf das Geflimmer auf dem Bildschirm reagierend, werde der künftige Mensch als Hybride von Pflanzen vegetieren. Man könnte meinen, dass wir diesen Endpunkt mittlerweile erreicht haben....


Die Wissenschaftlichkeit von Paul Virilios Theorien ist bis heute allerdings durchaus umstritten.


Monsieur Virgilio, sind Sie ein Apokalyptiker?

"Die wohlmeinende Kassandra lächelt vergnügt mit blitzenden Augen. Nein, sagt Virilio, »der Untergang der Welt ist kein Konzept mit Zukunft«. Lieber definiert er sich als Eschatologen, der als Gläubiger in einer laizistischen Gesellschaft nach dem großen Knall einen neuen Zustand der Welt und des Menschen heraufziehen sieht. Denn in Erwartung der Katastrophe sind nicht Fatalismus und Resignation angesagt. Virilio stellt sich dem Unheil, er blickt der grauenvollen Medusa ins Gesicht - im Spiegel der Philosophie, um nicht zu Stein zu erstarren.

Ein Katastrophenmuseum müsse geschaffen werden, nach dem Beispiel von Kriegsmuseen, denn die großen Katastrophen gehörten zum Kulturerbe der Menschheit, erklärt er. Dazu ein Hochschulinstitut für Katastrophenforschung. Die Menschheit müsse sich wieder ihrer Endlichkeit bewusst werden, dazu brauche sie Glauben, Religion, jedenfalls Metaphysik, denn nur der Blick für das Transzendente könne die Hoffnung aufrechterhalten.

Virilio ist praktizierender Katholik, was er nicht verhehlt, wofür er aber auch keine Propaganda macht. Er ist nicht verzweifelt, sein Motto ist das seines Namensheiligen, des bedeutenden Apostels Paulus: »Hoffen gegen alle Hoffnung«."

Der Spiegel 47/2005: "Panik als Lebensform" von Romain Leick





 
 
 

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