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20 Nationale Weisen: Mazurka - Polonaise

  • Sybille
  • 20. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Wie der Walzer steht die Mazurka im 3er-Takt, allerdings mit anderer Betonung: durch die Unterteilung der ersten Zählzeit mit Punktierung oder Triolen liegt die Betonung auf der 2. Zählzeit, was der Mazurka einen lebhaften, archaischen Charakter verleiht. „Er (der Tanz) vereint feurigen Geist mit Stolz und Eleganz, Lebhaftigkeit mit Lyrik, Würde mit Freude und Kühnheit mit Galanterie.“ 

Aus London berichtet Fürst Pückler 1827: „Auf dem Ball, dem ich abends beiwohnte, bei der neulich erwähnten Marquise L… sah ich zum erstenmal hier Polonaisen und auch

Masurka tanzen, aber sehr schlecht.“


Dass die Mazurka Eingang in die Klaviermusik fand, verdankt sie vor allem Frédéric Chopin. Der polnische Komponist und Klaviervirtuose lebte seit 1831 in Paris. Im französischen Exil avancierte er zu einem gefeierten Künstler. 

Die Sehnsucht nach Polen inspirierte ihn zu seinen Mazurken – wunderbar poetische Klavierstücke, die die Atmosphäre des polnischen Volkstanzes aufgreifen, sie stilisieren und doch etwas ganz Eigenes sind. Chopin drückte zudem in den Mazurken seinen Nationalstolz aus, machte sie zu einem Statement für die Freiheit Polens. Viele polnische Komponisten nach Chopin haben Mazurken für das Klavier geschrieben, zu den bedeutendsten gehören die Kompositionen von Karol Szymanowski, der Chopins Modell stilistisch weiterentwickelt und in eine moderne Klangsprache überführt hat. Die polnische Nationalhymne, die Mazurek Dabrowskiego ist ebenfalls ein Mazurka.


Die Polonaise war ursprünglich ein würdevoller und majestätischer Prozessionstanz, der insbesondere zu Hochzeitsfeiern getanzt wurde und ebenfalls zu den polnischen Nationaltänzen zählt. Bach schrieb einige Polonaisen, Beethoven eine einzige. 


Bezeichnend ist, dass die berühmtesten Polonaisen im Ausland komponiert wurden, und zwar hauptsächlich während der Zeit nach den Teilungen Polens (1772–1918), in der das polnische Volk um seine Unabhängigkeit und die Wiedergründung seines Staates kämpfte. 

Dazu gehört u. a. die Polonaise für Klavier in a-Moll „Pożegnanie Ojczyzny“ (Abschied vom Vaterland) des polnischen Adligen Michał Kleofas Ogiński, die er 1794 komponierte, nachdem er wegen neuer politischer Unruhen sein Landgut Zalesie bei Vilnius verlassen musste. Als stilisierte, sogenannte melancholische Polonaise ist sie nicht für den Tanz bestimmt, sondern eines der frühesten Musikwerke der Romantik, geprägt einerseits von wehmütiger Romantik des Abschieds, im Mittelteil andererseits von Nationalbewusstsein. 


Das alles hat also überhaupt nichts mit dem zu tun, was heutzutage im Karneval die Massen auf die Tanzfläche und quer durch alle Säle bringt, schon gar, wenn dabei ein eigentlich sehr schöner Hamburger Elbvorort besungen wird, in dem Karneval so gar nicht zu Hause ist….



Wlasdyslaw Szpilman (1911 -12000) war ein polnisch-jüdischer Komponist und Pianist, der 193 ins Warschauer Ghetto gezwungen wurde. Als einziges Mitglied seiner Familie überlebte Szpilman im Warschauer Ghetto während der deutschen Besatzung und wurde dort direkter Augenzeuge der Verschleppung des Kinderarztes Janusz Korczak. Sein Überleben wurde ermöglicht durch die Hilfe des jüdischen und polnischen Widerstands und in besonderer Weise durch den deutschen Hauptmann Wilm Hosenfeld. Dieser entdeckte im letzten Kriegswinter Szpilman halb verhungert. Doch anstatt ihn zu erschießen oder zu denunzieren, versorgte er ihn mit Nahrung und warmer Kleidung.

Die Lebensgeschichte von Szpilman ist die Grundlage des vielfach prämierten Kinofilms „Der Pianist“ von Roman Polanski.


Zu Szpilmans kompositorischem Schaffen, das in seinen Berliner Jahren seinen Anfang genommen hatte und das er selbst während der Zeit im Warschauer Ghetto nicht aufgab, zählen symphonische und konzertante Werke, Klaviermusik, aber auch zahlreiche Hörspiel- und Filmmusiken wie auch rund 500 Lieder und Schlager, von denen viele noch heutzutage in Polen populär sind – sie brachten ihm das Attribut des „Cole Porter, Gershwin, McCartney Polens“ ein.


Als Bonus hier die oben erwähnte Polonaise a-moll von Michal Kleofas Oginski, ursprünglich ein Stück für Klavier, wird Oginski zugeschrieben, obwohl es keinen Autographen gibt und auch keine weiteren Quellen, das das Entstehungsjahr 1794 belegen. Der erste Druck des Werkes erfolgte erst 1831 und auch die patriotische Betitelung tauchte erst in den 1860er Jahren, nach dem Tod des Komponisten auf.


Das Stück ist in Polen, Russland und Belarus wohlbekannt. Im 20. Jahrhundert schrieb Halina Szymulska einen Text zur Melodie der Polonaise. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde erwogen, das Lied zur Nationalhymne von Belarus zu machen, dieser Plan wurde jedoch später verworfen.


 
 
 

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