18 Eleganz und Leichtigkeit - Ballett
- Sybille
- 18. Dez. 2025
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All die Tänze und Tanzsätze, die wir bisher betrachtet haben, waren einerseits Tänze des Hofes oder des Volkes, gleichzeitig wurden diese auch als Teile der an den Höfen aufgeführten Schauspiele auf der Bühne vorgeführt. Der Bühnentanz als eigenständige Kunstform entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert.
Im Jahr 1661 gründete Ludwig XIV. die Académie Royale de danse in Paris. In dieser Zeit erfuhr das Ballett eine enorme Weiterentwicklung und wurde zunehmend von Berufstänzern ausgeführt. Damit trennte sich der Tanz vom höfischen Zeremoniell. Ab 1681 durften hier auch Frauen öffentlich tanzen. Parallel zum höfischen Ballett, das weiterhin zumeist in eine Oper eingebettet war und häufig mythologische Figuren darstellte, gab es etwa im Pariser Jahrmarktstheater die populäre Pantomime, die ebenfalls Handlungen hatte und die „hohe“ Tanzkunst beeinflusste, als die Hofkultur vor der Französischen Revolution zunehmend kritisiert wurde. Erste Handlungsballette die nicht mehr auf antike Sujets setzten, entstanden Mitte des 18. Jahrhunderts, so La Sylphide 1832 und Giselle 1841.
Marie Taglioni gilt als die Erste, die in La Sylphide 1832 auf der Zehenspitze („Pointe“) tanzte. Dabei hatte sie keinen guten Start ins Tänzerinnenleben: Zwar war ihr Vater ein berühmter Ballettmeister und ihre Mutter eine bekannte Tänzerin, doch Marie selbst litt unter einem runden Rücken, was dazu führte, dass sie sich nach vorne lehnte; sie hatte leicht verzerrte Proportionen.
Louis Veron, der damalige Pariser Operndirektor bemerkte spöttisch in seinen

Memoiren „Wann wird der[sic!] kleine Bucklige jemals tanzen lernen!“
Ihr Vater erkannte jedoch das Potenzial seiner Tochter und entwickelte für sie ein intensives und individuelles Trainingsprogramm. Das Training fokussierte sich auf Beinarbeit, Adagio-Bewegungen und die Verfeinerung von Posen. Marie arbeitete hart an ihrer Technik, verbesserte ihre Bewegungsfreiheit und entwickelte eine außergewöhnliche Musikalität.
Ihr Debüt als Tänzerin gab sie 1822 in Wien, und ihre Karriere begann, sich zu entwickeln. 1827 trat sie an der Pariser Oper auf, wo sie schnell eine zentrale Figur wurde. Hier konnte sie einen Sechsjahresvertrag für sich und ihren Vater aushandeln. Besonders bekannt wurde sie 1832 durch ihre Rolle in La Sylphide, einem Ballett, das von ihrem Vater speziell für sie geschaffen wurde.
Taglioni revolutionierte das Ballett nicht nur durch ihre Technik, sondern auch durch ihre Aufführungspraxis. Ihre Auftritte auf der Pointe und ihr filigraner Tanzstil beeinflussten den Stil der Tänzerinnen weltweit und veränderten das Ballett für immer. Ihr besonderes Augenmerk lag auf der Leichtigkeit und Eleganz ihrer Bewegungen, die sie durch das Tragen eines Tutu, das ihre Beinarbeit entblößte, noch mehr betonte.
Die Primaballerina wurde zum Star der Kulturwelt, wie später Carlotta Grisi oder Anna Pavlova.
Der Klassische Tanz mit seinem ausgefeilten Vokabular an Bewegungen, zu dessen Beherrschung es jahrzehntelangen, harten Trainings bedarf, so formulierte es Agrippina Waganowa, deren Lehrprogramm des klassischen Tanzes auf der ganzen Welt angewendet wird „ist keine Technik, er ist eine Kunstsprache, erfüllt von Inhalt und Seele“.
Wir hören ein Stück aus der Komposition zu "La Sylphide", und zwar die Version von Herman Severin Løvenskiold, die heute die meist verwendete ist und 1836 in Kopenhagen erstmalig zur Aufführung kam.
Aus der Urfassung der Sylphide von Jean-Madeleine Schneitzhoeffer, die 1832 von Marie Taglioni getanzt wurde, hören wir hier einen kurzen Klavierausschnitt - so wie es die Tänzer in ihren Proben tagtäglich hören: Man stelle sich dazu also einen kargen Ballettsaal, den/die gestrenge Ballettmeister/in vor und die Anstrengung, die es erfordert, so viel Leichtigkeit und Eleganz auszudrücken.




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