17 Grazie und Anmut - Das Menuett
- Sybille
- 17. Dez. 2025
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Das Tempo des Menuetts war zunächst beschwingt, der Charakter vergnügt, leger, unbeschwert, tändelnd, und zugleich elegant, anmutig und nobel. Johann Mattheson schreibt ihm 1739 als Affect „mässige Lustigkeit“ zu Daniel Gottlob Türk bescheinigt dem Menuett 1789 einen „edle[n], reizende[n] Charakter“.
Aus dem Menuett bilden sich Ende des 18. Jahrhunderts drei Kompositionsrichtungen: erstens der langsamere, traditionell tänzerische Satz, zweitens ein Vorläufer des Walzers, der vor allem den Tripeltakt betont, und drittens ein schneller Satz, dessen Hauptaugenmerk auf der Beibehaltung der metrisch geordneten Wiederholungen basiert. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und in der Wiener Klassik war das Menuett der einzige traditionelle Tanz, der in Sonate und Sinfonie und andere Formen, wie Quartett oder Quintett, übernommen wurde; dort stand es in einer viersätzigen Form meistens an dritter Stelle, zusammen mit einem Trio.
In der Klassik hat sich der Charakter des Menuetts insofern verändert, als es die ursprüngliche gravitätische Würde abstreifte und wiederum mehr lebhaft und lustig gestaltet wurde. Es wurde so als rechter Gegensatz zwischen Allegro und Andante gestellt. Mozart erfasste diese Tanzform noch mehr ihrem ursprünglichen Charakter gemäß. Bei ihm ist die Grazie vorwiegend und diese ist noch verbunden mit überquellender Innigkeit und dem Glanze seiner heiteren Lebensanschauung. Bei Haydn erscheint das Menuett in volkstümlicher Umgestaltung, er ersetzt die Grazie durch die ungebundene Lust, die Innigkeit durch übersprudelnde Laune. Beethoven knüpfte zunächst an diese Auffassung an, sie zugleich mit der Mozarts verbindend. Auch in Beethovens Menuetten lebt die reinste, ungebundene Lebenslust, aber in der Regel ist das Trio zugleich erfüllt mit der höchsten Innigkeit und Weichheit seiner Individualität, und dies gibt der das Menuett bewegenden Stimmung höhere Bedeutung.
Quelle: Musikalische Conversations-Lexikon 1870-1883
Wir hören als Erstes das Menuett aus der Orchester-Suite Nr. 2 h-moll, BWV 1067 in b-moll.
„Das Menuett mutet schlichter an, als es ist. Der anmutige Aufschwung des ersten Taktes wird sogleich vom Bass aufgegriffen und immer wieder zwischen die zarten Wendungen der Oberstimme eingestreut." Hier gespielt von Emanuel Pahud, den Berliner Barock Solisten und Reiner Kussmaul.
Als wirbelnder Abschluss unserer kleinen Bach-Reihe folgt die höchst populäre Badinerie aus obiger Orchestersuite mit ihrem virtuosen Flötensolo über der dichten Streicherbegleitung, in der obigen Besetzung.
Im Übergang zur Epoche der Klassik haben wir dann das Geburtstagsmenuett Es-Dur WoO 3 von Ludwig van Beethoven. Auch wenn das mit leichter Hand geschriebene, erstmals 1832 unter dem neutralen Titel Allegretto gedruckte Gratulationsmenuett heute selbst unter Kennern weitgehend unbekannt sein dürfte, so zeigen einzelne harmonische Wendungen wie auch die Instrumentation unverkennbar den wahren Meister.




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