15. Wandlung
- Sybille
- 15. Dez. 2021
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Neben dem abstrakten Begriff des Wandels gibt es die „Wandlung“. Den Begriff kann man juristisch verwenden, so wie im Bürgerlichen Gesetzbuch in § 462, oder physikalisch, dann wandelt man eine Energieform in eine andere um.
Oder theologisch, dann wird die Substanz des Brotes verwandelt. Seit Thomas von Aquin wird die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi „Transsubstantiation“ genannt.
Was also ist die Substanz?

Früher verstand man unter „Substanz“ das, was das Wesen ausmacht: Brot ist z.B. „dem Wesen nach“ dazu da, den Körper zu sättigen und dadurch zu kräftigen. Das Aussehen, der Geruch, die Form, der Geschmack des Brotes waren Nebensache. Das Wesen des Brotes wurde verwandelt: Es wurde Jesu Gegenwart selbst. Die „Nebensächlichkeiten“ blieben unverwandelt.
Heute, in der Sprache der Naturwissenschaft, ist es genau umgekehrt: „Substanz“ als chemisch-physikalischer Begriff bedeutet gerade nicht das Wesen, sondern das Messbare, Sichtbare usw. Diese Art von „Substanz“ wird aber gerade nicht verwandelt; es bleibt ja das Brot in seiner Form, Gestalt und Geschmack, Gewicht, Zusammensetzung so wie vorher. Verwandelt wird das Wesentliche, das aber unsichtbar ist.
Wie geht die Kirche mit dieser Begriffsverschiebung um? Und wie die Gläubigen?
„Inkonsequent“
„Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Kirche.
Sie werden antworten: Die Messe.
Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Messe.
Sie werden antworten: Die Wandlung.
Sag hundert Katholiken, dass das Wichtigste in der Kirche die Wandlung ist.
Sie werden empört sein.
Nein, alles soll bleiben wie es ist.
Lothar Zenetti
Diese Musik komponierte Kristof Penderecki 1963 für den Film "Die Handschrift von Saragossa".
Weiterführendes zu „Die Handschrift von Saragossa“, einer bemerkenswerten Novellensammlung aus dem Jahr 1809 von Jan Graf Potocki:




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