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12. Die Zeit ist ein sonderbar' Ding

  • Sybille
  • 12. Dez. 2021
  • 2 Min. Lesezeit

Wandel der Zeit, Zeit des Wandels: Der Wandel ist ohne die Zeit nicht denkbar. Denn ein Gegenstand oder Zustand kann sich nur ändern, wenn die Gegenwart, von der Vergangen-heit kommend, in die Zukunft hinführt.

Nach der Relativitätstheorie bildet die Zeit mit dem Raum eine vierdimensionale Raumzeit, in der die Zeit die Rolle einer Dimension einnimmt. Dabei ist der Begriff der Gegenwart nur in einem einzigen Punkt definierbar, während andere Punkte der Raumzeit, die weder in der Vergangenheit noch der Zukunft dieses Punkts liegen, als „raumartig getrennt“ von diesem Punkt bezeichnet werden.


Augustinus unterschied erstmals zwischen einer physikalisch exakt messbaren und einer subjektiven, erlebnisbezogenen Zeit.


Was also ist ‚Zeit‘? Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es; will ich es einem Fragenden erklären, weiß ich es nicht.“

Augustinus, (Confessiones XI, 14)



Eine feinsinnigere Version des mittlerweile arg ramponierten Hedonisten-Mottos "Carpe diem" liefert Gryphius:

Mein sind die Jahre nicht. Die mir die Zeit genommen; Mein sind die Jahre nicht, Die etwa möchten kommen;
Der Augenblick ist mein, Und nehm ich den in acht, So ist der mein, Der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Andreas Gryphius


Zeit kann auch als elementare Voraussetzung der Musik verstanden werden. Musik ist von den Künsten der Zeit am nächsten, was durch entsprechende Formulierungen, Musik sei besonders flüchtig und ein „Medium in der Zeit“, betont wird.


Mir musikalisch besonders lieb ist zum Thema Zeit der Monolog der Marschallin

aus dem „Rosenkavalier“. Lebensweisheit, lakonisch, aber auch etwas larmoyant, melancholisch, aber mit Grandezza vorgetragen - ich finds toll. Hört mal das tröstliche piano bei „Allein, man muss sich auch nicht fürchten…“ !


Elisabeth Schwarzkopf war DIE Marschallin, „sowohl hinsichtlich ihrer Noblesse, aber auch in dem emotionalen Amalgam aus Wehmut, Pikanterie, Generosität und Überlegenheit. Ihr nimmt man es ab, wenn sie sagt: „Leicht muss man sein: mit leichtem Herz und leichten Händen, halten und nehmen, halten und lassen“.

Zitiert aus dem sehr lesenswerten Blog klassik-begeistert.de





Die Zeit im Grunde, Quinquin, die Zeit, die ändert doch nichts an den Sachen.

Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding.

Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts.

Aber dann auf einmal,

da spürt man nichts als sie:

sie ist um uns herum, sie ist auch in uns drinnen.

In den Gesichtern rieselt sie, im Spiegel da rieselt sie,

in meinen Schläfen fließt sie.

Und zwischen mir und dir da fließt sie wieder.

Lautlos, wie eine Sanduhr.

Manchmal hör' ich sie fließen unaufhaltsam.

Manchmal steh' ich auf, mitten in der Nacht

und lass' die Uhren alle stehen

Allein man muß sich auch vor ihr nicht fürchten,

Auch sie ist ein Geschöpf des Vaters,

der uns alle geschaffen hat.

Richard Strauss/Hugo Hofmannsthal, Der Rosenkavalier






 
 
 

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