1 Dir ist ein unendlicher Raum noch die Wiege
- Sybille
- 1. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Die erste rhythmische Bewegung, die das Kind erlebt, ist das sanfte Wiegen auf dem Arm der Eltern oder in der Babywiege. Der Säugling erspürt über Bewegung seine Umwelt und nimmt so Kontakt mit ihr auf. Das Wiegen beruhigt und gibt dem Säugling die Sicherheit, die es braucht, um einschlafen zu können. Alle Eltern wissen ja, wie sensibel der Moment ist, in dem das Kind in den Schlaf gleitet:

Süßer Traum, wölb einen Dom
über meines Kindchens Glieder!
Süßer Traum, send einen Strom
stillen, sanften Mondlichts nieder!
William Blake, 1757-1827
Aus dem Wiegen, bei dem das Kind noch passiv ist, wird später das aktive Schaukeln, das ein universelles Bedürfnis ist und eine Vielzahl an Sinnesanregungen gibt - es wirkt wie alle Bewegung auf die Entwicklung von Kognition, Sinneswahrnehmung, Emotion und Kommunikation.
Wir bleiben musikalisch beim sanften Wiegen, dem Wiegenlied, der Berceuse.
Zu den bekanntesten Stücken dieses Genres zählt op. 57 von Frederic Chopin. Auch die Berceuse op. 16 von Gabriel Fauré dürfte bekannt sein. Ein Sonderfall ist das von Brahms komponierte Wiegenlied „Guten Abend, gut’ Nacht“, das vom Kunstlied zum echten Volkslied wurde.
Der zweite Satz des 1. Klavierkonzertes von Pjotr Tschaikowski in b-moll, op. 23; II Andantino semplice beginnt mit der Melodie eines russischen Wiegenliedes in der Querflöte. Hier gespielt von Beatrice Rana und dem Orchestra dell'Adademia nazionale di Santa Cecilia unter Antonio Pappano.
Und als Bonus: eine hübsche kleine Berceuse von Frank Bridge, hier in der Version für Cello und Klavier, gespielt von Gerald Peregrine und Antony Ingham.
Frank Bridge unterrichtete Benjamin Britten, der später die Musik seines Lehrers hochhielt und ihm in den „Variationen über ein Thema von Frank Bridge“ (1937) Tribut zollte. Britten lobte Bridges Unterricht in höchsten Tönen und sagte 1963, er habe immer noch das Gefühl, die von Bridge gesetzten technischen Standards noch nicht erreicht zu haben. Als Britten 1939 in die Vereinigten Staaten reiste, übergab Bridge ihm seine Giussani-Bratsche und wünschte ihm eine gute Reise und gute Rückkehr. Bridge starb 1941, ohne Britten je wiedergesehen zu haben.




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