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Musikalische Heimat

  • Sybille
  • 30. Nov. 2020
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Nov. 2022



Dieser Blog und die dazugehörige Playlist bei Spotify entstanden im November 2020 während des zweiten Corona-Lockdowns. Nachdem ich die ersten zwei Adventskalender von 2018 und 2019 exklusiv für meine Mutter gestaltet hatte, habe ich in 2020 zwei liebe Freundinnen mit dazu eingeladen. Wo es passt, sind einige Kommentare aus diesem exklusiven Kreis angefügt.


"Wir wollen ja gute Stimmung haben, also geht es um Vertrautes und Liebgewonnenes, um die grundlegenden musikalischen Prägungen, die uns unser Leben lang begleiten. Oder um ein hohes Wort zu bemühen: Es geht um musikalische Heimat. Und zwar komme ich darauf durch ein sehr einschneidendes Erlebnis, das ich einmal hatte: Ich hörte eine bestimmte Musik seit langer Zeit einmal wieder und hatte ein so starkes Gefühl von „Diese Musik ist meine Heimat" dass es mich wirklich tief berührt hat. Ich verrate jetzt nicht, welches Stück es war, das ist auch nicht als Rätselfrage gemeint, sondern als Impuls. Also: Wenn du an deine Musikalische Heimat denkst, welche Musik kommt dir als erste in den Sinn?"

Kommentare:

H: Welche Musik fällt mir spontan ein? Ich habe das schon einmal erzählt, wie ich durch eine verschenkte Abokarte meines Englischlehrers in der Hamburger Musikhalle als 15 Jährige mit Mozart in Berührung kam. Die „abgenudelte" g-Moll-Sinfonie und die Jupitersinfonie - für mich damals ein umwerfendes Erlebnis, das mich bis ins Mark erschütterte.

Na, und dann natürlich weihnachtliche Posaunenklänge, die eben doch sehr tief gehen.

Im Laufe des Lebens kommen ja immer unvergessliche musikalische Momente hinzu, aber Heimat beginnt ja eben mit Kindheit und Jugend.


C: Musik, die mich immer wieder tief berührt ist zum Beispiel das 3. Klavierkonzert von Rachmaninow.


A: An meinen musikalischen Wurzeln habe ich heute... sehr gegraben - Aber ich könnte nicht explizit sagen, dieses oder jenes habe mich geprägt. Trotz allem hatte ich Erinnerungen an die Schulzeit, den Schulchor, die Klavierstunden, die verschiedenen Lehrer ...Ganz schön, dank deiner Anregung !

Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5 op. 73

Ja, mein erwähntes Erlebnis hatte ich beim Adagio des 5. Klavierkonzerts von Beethoven. Es hat mich wirklich wie eine Erkenntnis getroffen: In dieser Musik bin ich zuhause, sie ist meine Heimat. Im Nachhinein habe ich das so gedeutet: Die Klassik (als musikalische Epoche) bildet den Gravitationspunkt meiner musikalischen Sozialisation und von ihr geht alles aus. Es ist die Harmonik, die Themenbearbeitung, es ist sicher das Instrument und natürlich sind mit diesem Konzert auch biografische Erinnerungen verbunden. Im Netz habe ich eine sehr schöne und passende Beschreibung gefunden:

„Tritt das Orchester im ersten Satz von Beethovens 5. Klavierkonzert in einem martialischen Gegenpart gegenüber dem Solisten auf, so wird es im Adagio un poco moto zum freundlichen Begleiter. Ganz so, als wäre der napoleonische Kanonendonner um Wien, der Beethoven umgab, als er 1809 sein Konzert schrieb, verflogen. Schwebend leicht gleiten die Töne des Klaviers über dem Klangteppich des Orchesters dahin. Eine einzige große Idylle tut sich auf. Der langsame Satz, sagt der englische Pianist Paul Lewis, sei von seinem meditativen Charakter her zwar keine Ausnahme in Beethovens Musik. Aber er sei doch ein außergewöhnliche empfindsamer Part im 5. Klavierkonzert. Und er verbinde klug die Ecksätze, indem er die Gedanken des Finales vorwegnehme: "Einer von Beethovens Überraschungs-Tricks ist es, sich auf nur eine Note zu konzentrieren. Der langsame 2. Satz endet in B-Dur auf dem H, das einen Halbton nach unten auf B rutscht. Das kann alles Mögliche bedeuten. Zuerst wissen wir nicht, wohin das harmonisch führt. Doch dann erklärt er es und gibt einen Vorgeschmack auf ein Thema des letzten Satzes – aber im Pianissimo. Auf einmal explodiert es. Der letzte Satz wird schon angekündigt - in Es-Dur und von Ferne - bis es auf einmal Peng macht und los geht´s. Darin besteht die Überraschung und genauso muss man es spielen: als etwas Unerwartetes. Auch wenn jeder das Stück kennt und genau das im Endeffekt erwartet." Das Finale des 5. Klavierkonzertes von Beethoven greift nicht mehr die martialische Seite des ersten Satzes auf. Es hat, ähnlich wie die Schlusssätze der anderen Klavierkonzerte, tänzerischen Charakter. Die große Spannung, so Pianist Paul Lewis, die dem Anfang des Konzerts innewohnte, hat sich gelöst. "Ich frage mich, ob dies nicht ausdrücken soll, dass etwas durchlebt wurde – dass man über etwas hinausgewachsen ist. Dieser letzte Satz handelt nicht von irgendeiner Sorge über Krieg oder so etwas. Er ist leichter, er tanzt, er atmet und beansprucht Raum. Man fühlt sich, als hätte man etwas überwunden – als hätte man ein Problem bewältigt." (Paul Lewis)

Wir können das ja als Versprechen nehmen. Etwas überwinden, ein Problem bewältigen, na wenn wir das je gebrauchen konnten, dann jetzt!

Zu dieser Aufnahme: Es gibt natürlich unendlich viele Aufnahmen von diesem Konzert. Ich habe mir einige angehört, gefallen hat mir u.a. Glenn Gould, der sich in einem Interview darüber geäußert haben soll, auf welch „bescheidenem musikalischen Material das Konzert doch beruhe“. Je nun,

„Glenn Gould liebte Komponistenbashing". Vor allem, wenn die Lordsiegelbewahrer es lasen, Feuer unter deren Hintern, daran hatte er eine diebische Freude. Zu schade, dass die Komponisten nicht einfach so komponiert haben, wie Gould es wollte. Sein Hauptopfer war ja Mozart. Er hat dies mit grauenhaften Interpretationen untermauert. Beethoven-Intpretationen gab es viele von ihm, dem bashing zum Trotz. Das fünfte mindestens zwei Mal. Einmal auf der CD, einmal als Fernsehaufzeichnung, wo er angeblich sehr kurzfristig einsprang. Die Fernsehaufzeichnung zeigt ihn als fast konventionellen Pianisten. Für Gould ja eigentlich eine Höchststrafe.“

Ich habe mich aber letztlich für eine Aufnahme mit Zimerman und Bernstein entschieden, erstens aus meiner alten Liebe zu Bernstein, den ich einen solchen Jahrhundertmenschen finde, dass ich es gar nicht sagen kann, und

„…. was Zimmerman pianistisch und Bernstein orchestral hier abliefern ist so begeisterungswürdig, dass man es nicht in Worte fassen kann: Das ist Beethoven in seiner Dramatik mit Gefühl voll ausgespielt - fabelhaftes Orchester unter Lenny, nichts für Langeweiler; ja, das fetzt!“
„Maurizio Pollini + Berliner Philharmoniker (2003), Dir. Wolfgang Sawallisch: schööön. da hätte ich am liebsten die ganze Zeit mitgesungen. Sehr festlich, passend zum Feiertag (3.10.) aufs Programm gesetzt.“

Alle hier aufgeführten Zitate aus dem von mir sehr geliebten Capriccio-Kulturforum, in dem überaus kenntnisreiche Menschen sich tiefgehend über Musik unterhalten, Aufnahmen benennen, sich auch mal fetzen, ist eine riesige Fundgrube, aus der ich mich auch im weiteren Verlauf bedienen werde.


Kommentare:

H: Nur ganz schnell die Reaktion: Du wirst es mir nicht glauben, aber genau das habe ich erwartet. Ich denke, dass Du Dich an die Klavierkonzerte im Wohnzimmer zu Hause erinnern wirst.


C: Das 5. Klavierkonzert von Beethoven ist das erste klassische Werk, das mir aus meiner Schulzeit in bester Erinnerung geblieben ist. Es wurde im Musikunterricht besprochen und hat mir so gut gefallen, dass ich mir meine erste LP von meinem Taschengeld geleistet habe. Ich glaube, dieses Werk „innen und außen“ auswendig zu kennen, so häufig wurde diese LP damals aufgelegt.

Wie schön, dass wir beide wieder einmal einen ähnlichen Musikgeschmack haben...


H: An sich dachte ich, dass Mahler Dein Favorit ist, hatte aber tatsächlich zunächst auf No 5 getippt.Das Adagio ist schon wunderbar. Ich muss an die cavatina von Beethoven denken, die doch mit der Voyager ins All geschickt wurde. Von ihr hat doch Brahms gesagt, sie sei das Maximum, was Musik noch aussagen könnte.Ich weiß nicht, ob dieser Satz ihr nicht ebenbürtig wäre.

Geh aus mein Herz

Tatsächlich das 2. Stück, das mir bei meiner Suche nach musikalischer Heimat eingefallen ist. Eines der schönsten Kirchenlieder überhaupt, das ultimative Sommerlied aus der lutherischen Tradition. Es erinnert mich an den „Goldenen Brunnen“ und natürlich an meine Großmutter, die dieses Lied, so meine ich zu erinnern, auch sehr mochte. Und es steht auch stellvertretend für den Gemeindegesang in der Kirche allgemein. Der gehört natürlich zur musikalischen Heimat und vermag immer wieder, das Herz tief zu rühren.

Aber zurück zu Paul Gerhardt: Die fließende Melodie (die natürlich nicht vom Dichter Gerhardt stammt, sondern von Augustin Harter und sich erst im 20. Jahrh. als Vertonung dieses Gedichtes durchsetzte) und die sprachlichen Bilder haben mich immer angerührt, aber auch die fromme Haltung eines Gotteskindes, das staunend vor der Schöpfung steht und gleichzeitig aktiv ist, nämlich selbst ausgeht und Freude sucht.

Was ich im Netz gefunden habe:

„Es gibt viele Menschen, die dieses Lied besonders lieben. Spätestens im Gottesdienst zu Himmelfahrt wollen sie es singen. In diesem Jahr ist das ja alles etwas anders. Wie viele Gottesdienste konnten nicht stattfinden! Wie viel Gemeinschaft ist zur Zeit nur digital oder auf Distanz möglich! Und dann so ein fröhliches Sommerlied – passt das denn überhaupt in diese Zeit? Ich bin der Meinung: es passt absolut! Nicht, weil ich das Schlimme nicht sehen will, sondern weil das Lied gerade auch um das Schlimme weiß. Der Dichter, Paul Gerhardt, hatte die Grausamkeiten des Dreißigjährigen Krieges erleben müssen. Und als ob das noch nicht genug wäre, brach in dieser Zeit auch noch die Pest aus.Das Kirchenamt musste eigene Sterbebücher für die Pest anlegen, so viele Tote gab es. Einer, der all das überstanden hat, stimmt ein Loblied auf Gottes Schöpfung an. Das kann keine oberflächliche Vertröstung sein. Ich höre darin vielmehr die Weisheit eines Menschen klingen, der viel vom Leben und Sterben weiß. Er hat sich den Blick bewahrt für die Schönheit und die großartige Ordnung der Schöpfung: die bunten Blumen mit ihrem je eigenen Duft, die Insekten und die Tiere in Wald und Feld und Haus und Hof. Die ganze Natur kündet vom Glück des Lebens, der Freude am Sein und seinem Schöpfer. Das Lied ermutigt dazu, die Freude zu suchen – dazu muss man die Augen öffnen, sich umschauen. Und kann dann hoffentlich die Schönheit sehen, die uns umgibt – auch in Zeiten, in denen so vieles andere meinen Blick gefangen nehmen will: Dunkles und Trauriges. Es wird nicht besser, wenn ich nur auf die Not des Lebens starre. Die Sonne, die blühende und lebensvolle Natur – sie sind Hoffnungszeichen Gottes. Es ist schade, wenn wir sie übersehen.“ Pfarrerin Susanna Petig im Hessischen Rundfunk, 3.5.2020

Ich stelle gleich zwei Aufnahmen zum Vergleich in die Playlist, einmal vom Rundfunkchor Berlin (also einem Profichor) und einmal von einem Jugendchor, die ich in ihrer Schlichtheit auch zauberhaft finde. Entscheidet selbst, welche Aufnahme euch besser gefällt.

Mozart: Sinfonien Nr. 40 g-moll KV 550 und Nr. 41 C-Dur KV 551

Leider komplett abgenudelt...... möchte man meinen. Doch wer erst mal in den Sog dieser Sinfonie gerät, der ist verloren im Malstrom dieses Meisterwerkes.

Andererseits:

Was für eine Symphonie! Eine C-Dur Hymne, Leichtigkeit im Komplexen, symphonisch vollendete Meisterschaft!
„Der tragikomische Ton des ersten Satzes erinnert an seine späten Opern. Obwohl strahlendes C-Dur gelegentlich jubelt, kommt kein Pathos auf. Mozart gelingt es einmal mehr, durch ständiges Hinterfragen, immerwährendes Fortwandeln weder hart oder pathetisch noch bierernst zu werden. Er lässt anfangs die Pauke triumphieren, dann die Streicher glissandi-artig scherzen, dann verhalten sinnieren. Die Ausdrucksskala ist enorm, ständig neue Reize berühren, begeistern, reißen mit. Später schockt ein Orchestersturm in c-Moll, dann wieder blitzt der Schalk hervor beim heiter tänzelnden Thema, das Mozart aus seiner komischen Arie Un bacio di mano zitiert. Dort warnt ein französischer Mann von Welt seinen Freund vor den Gefahren des Flirtens mit schönen Mädchen: »Ihr seid ein wenig naiv, mein lieber Pompeo, geht und studiert, wie es auf der Welt zugeht.« Es handelt sich um das ausführlichste Opernzitat in Mozarts Instrumentalmusik, das in Wien durchaus bekannt war. Einerseits spielte Mozart in Gedanken offensichtlich wieder mit der Reaktion des Publikums und gleichzeitig bereicherte er die Ausdrucksmöglichkeiten seiner sinfonischen Komposition. Im zweiten Satz, dem Andante cantabile, überträgt Mozart im wahrsten Sinne des Wortes Gesanglichkeit auf die Orchesterinstrumente. Kaum ein Begriff hat Mozart so beschäftigt wie der des Cantabile. Gedämpfte Violinen und Holzbläser bringt er also zum Singen – vielleicht von einem verhaltenen Glück oder der Sehnsucht nach dem Leben an sich? Mozarts Einfallsreichtum ist noch lange nicht erschöpft. Sein Menuett beginnt er mit fallender Chromatik – das hätte sich vor ihm kein Mensch einfallen lassen! Die abstürzende Linie fängt er mit tänzerischen Akkorden auf. Lyrisches und Lustiges, Festliches und Legeres wirbeln durcheinander, als wolle Mozart ein höfisches Ensemble mit einem Bauernpaar verkuppeln. Im Mittelteil – dem Trio – lässt der Komponist schon mal einen Blick auf den Finalsatz erhaschen. Eine Vorform des 1. Themas des letzten Satzes blitzt auf – darüber hinaus ist es eine musikalische Signatur wie die Tonfolge b-a-c-h bei Bach. Mozart verwendet das Thema in zwölf weiteren Werken. Es beginnt mit der berühmten Viertonfolge c-d-f-e. Sie gehört zum Urbestand der Kontrapunktlehre und dient Mozart als markante Kernzelle seines genialen fugenhaften Werkens, die diesen Satz durchzieht und in der Coda mit der Verarbeitung von fünf unabhängigen Themen geradezu unerhört endet. Das eigentlich Wunderliche daran: Dass Mozart die Strenge und Konzentration mit Anmut und Leichtigkeit durchbricht. Nicht versöhnend, sondern parallel bestehend, ständig weiter fließend. Der Satz endet strahlend. Ein Fest des Lebens mit all seinen Facetten. Perfekt in Balance trotz unüberschaubarer Gleichzeitigkeit der Dinge. Die goldene Mitte, der Nabel der Welt. Das Finale der C-Dur-Sinfonie ist ein prächtiges Beispiel dafür, wie kunstvoll Mozart Kunstfertigkeit verbergen konnte. Das Schwere wird bei Mozart leicht, das Alte neu, das Strenge witzig, der Schalk ehrlich.“
zitiert von der Seite www.ensembleresonanz.de

Gerade bei einem so häufig gespielten Werk ist es besonders interessant, sich mit den unterschiedlichen Auffassungen und Interpretationen durch die Dirigenten und Orchester zu beschäftigen und die Aufnahme zu finden, die mich am meisten anspricht. Ich habe einmal mehrere Versionen durchgetestet und komme (wiederum durch Empfehlung von Capriccio) zu folgenden Aufnahmen, die ich besonders gut nachvollziehen kann. Interessanterweise wird dort auch eine Fassung von Adam Fischer empfohlen, unserem Chefdirigenten in Düsseldorf.

Vom Ansatz her "HIP" (Historisch informierte Praxis), allerdings bei Verwendung moderner Streichinstrumente wie etwa bei Mackerras, ein sehr markanter, individueller Orchesterklang, schärfer formuliert als etwa bei Immerseel, der mich bei Nr. 40 und Nr. 41 nicht vom Hocker gehauen hat, aber keine Extremversion wie bei Jacobs, den ich für spannend, aber letztlich überzogen, in Details geradezu manieriert halte. Fischer spricht mich mehr an als Norrington (Stuttgart) oder Hogwood. Zudem klingen die Aufnahmen (auch als CDs) wirklich fabelhaft“. „Klemperer beherrscht die so wichtige motivische Arbeit als großer Bruckner und sehr guter Mahlerdirigent im Schlafe, ich frage mich immer, wie er das macht, Mozart ist Mozart, nicht die Egotouren von Dirigenten wie Böhm (fettige Brühe und ekligster fettiger Schwulst) oder die so genannten HIP Dirigenten (Geräusche und Magerkost statt Klang vor allem Jacobs ist hier zu nennen).“


Ich habe mich letztlich für eine Aufnahme von Blomstedt entschieden, recht aktuell von 2017. Dann musste ich natürlich auch noch schnell schauen, wie es mein Liebling Bernstein gemacht hat, dazu habe ich bei verschiedenen fremdsprachigen Quellen diese Kommentare gefunden:


Leonard Bernstein’s Late Mozart Symphony recordings come from the 1980s when the market was deluged with “authentic” and “period” style offerings from the likes of Trevor Pinnock and Christopher Hogwood. Bernstein, never a slave to fashion, conjured up some wonderfully “old fashioned” performances, full of rich orchestral sonorities, generous helpings of vibrato, and unabashedly romantic pacing, phrasing, and rubato. That’s not to say that Bernstein’s renditions are stylistically inappropriate, for it’s a palpable sense of joy in music making that comes across most strongly in these readings. No. 38 pulses with the same life-affirming energy that infuses Nos. 36, 38, 39, and 41, while the dark drama of No. 40 smolders just beneath the surface of the glorious sheen of the Vienna strings. The strings also produce radiant tones in No. 39’s first movement, where Bernstein points up the music’s precursory hints of Beethoven’s Eroica. Bernstein’s rather gentle intro to No. 41 certainly doesn’t launch the symphony like a rocket the way George Szell’s classic recording does, but he invests the finale with a cocksure grandeur that is thrilling. The Haffner receives an exciting reading that, with its mixture of warmth and vitality, succeeds where James Levine’s contemporaneous stiffly paced and repeat-laden Vienna recording fails.

On peut critiquer le premier mouvement de la « Jupiter », un brin raide (etwas steif) par endroit (teilweise), mais le second mouvement: Andante cantabile, est au-dessus de tout éloge. Quelle expressivité ! Quel chant instrumental ! Quelle mise en valeur de chaque ligne ! Ce Mozart en deuil (Trauer) de ses espoirs! Mozart : Sociologie d'un génie est plus poignant (ergreifend) que n'importe quelle confession romantique.

Mozarts Sinfonie Nr. 40 - na klar, die steht meistens zusammen mit der 41. Ich meine mich zu erinnern, dass ich mit einigen Mitschülerinnen dazu mal einen Tanz einstudiert habe. Irgendwelche Chiffon-Tücher waren mit von der Partie. Der sehr behutsame Einstieg, den Blomstedt hier in das erste Thema nimmt, der gefällt mir gut - nicht so Gassenhauer-mäßig, wie es andere anlegen. Sehr schön.


Kommentare:

H: Ja, auf die g-moll Sinfonie habe ich schon gewartet. Auf einer meiner Reisen bestieg voll düsterer Vorahnungen orthopädischer Probleme die Reisegruppe in Vietnam einen erbärmlichen, eigentlich schrottreifen Ausflugsbus nach Saigon, schrecklicher Ort, manch einer von uns mag noch die ständigen Nachrichten aus dem Vietnamkrieg im Ohr haben, da empfing uns - herrliche Modulation! - Mozart mit seiner g moll Sinfonie! Die perfekte Dramaturgie des Veranstalters- ich war wie berauscht.


George Gershwin

Heute ist der richtige Tag, um diese Musik zu spielen:


Rhapsody in Blue, George Gershwin

Sie steht für das Amerika-Bild, das meine Jugend geprägt hat. Schließlich war mein Vater im Geschäft mit einem der amerikanischsten Produkte überhaupt - eine sehr prägende Kultur, der unumwundene Begeisterung entgegengebracht wurde. So bildete sich in meiner Kindheit und Jugend dieses Bild von Amerika (den USA): fortschrittlich und überaus glamourös, dabei lässig... (Frank Sinatra mit einem Glas Whisky in der Hand, die Eiswürfel klirren leise....) Vital auf eine durchaus archaische Art. Zugleich idealistisch und überaus geschäftstüchtig, dass es einem auch vulgär vorkommen kann.

Das alles höre ich in der Rhapsody in Blue in all seiner Zerrissenheit, und gleichzeitig so unwiderstehlich optimistisch. Sentimental und zugleich ein bisschen selbstironisch.

Hoffen wir, dass Amerika die Bitterkeit der letzten Jahre überwinden kann und zu seinen Stärken zurückkehrt.


Das muss natürlich von Bernstein interpretiert werden, von dem ich seine erste Aufnahme aus dem Jahr 1959 in die Playlist stelle und als Bonusmaterial die Aufnahme mit Lang Lang und Herbie Hancock, die finde ich ebenfalls sehr ansprechend, vielleicht noch etwas „rauher“ im Ton.

„I've never heard another recording that can touch the performances on this album. I'm quite certain Bernstein's interpretation of these pieces surpasses even Gershwin's vision for these pieces, and the musicians interpret Gershwin flawlessly under Bernstein's direction. And, you don't need to listen to an entire piece to hear the difference----just listen to the opening of "Rhapsody In Blue" and the way Bernstein extends the opening clarinet solo until it nearly breaks your heart! Bernstein also plays piano on these pieces, and you'll never hear these beautiful piano scores played better! These recordings are simply stunning.“
(...)a classic that many will remember vividly -- due in great part to its iconic cover photograph -- and which some will recall fondly as their first introduction to Gershwin's entertaining work. Among American performers who made a splash playing this piece, Leonard Bernstein may not have given the most fastidious, note-perfect performance, but he made this impressive recording with the Columbia Symphony Orchestra in 1959 a true reflection of his charismatic, flamboyant personality.
(...) Bernstein's rendition of Rhapsody is lively, flashy, bluesy, and intensely romantic in feeling, and these positive characteristics no doubt contributed to keeping this album in print for many years as one of Columbia's great successes.“
„Aren't we fortunate to have lived in an age with two incredible geniuses? Of course I am talking about Leonard Bernstein and George Gershwin.“

Und abschließend noch:

Barbara Streisand mit „Happy Times Are Here Again“ in einer neueren Aufnahme. Erinnert mich an das legendäre Konzert vor einigen Jahren in Köln - unvergesslich.

Peter Tschaikowski

Zur Musik, die mir aus der Kindheit vertraut ist, gehört auch Tschaikowski. Hauptsächlich die Ballett-Musiken, da gab es wohl eine LP im elterlichen Plattenschrank, und natürlich Fernsehübertragungen vom Bolschoi-Theater, wahrscheinlich hauptsächlich in der Weihnachtszeit. Jedenfalls eine sehr vertraute Tonsprache. Das Klaviergekloppe des 1. Klavierkonzerts ist allerdings nicht so mein Geschmack. Ich mag z.B. die Streicherserenade op. 48 sehr gern.


Doch ach, damit erliege ich scheinbar dem Kitsch:

(alle folgenden Zitate aus Capriccio)

„Tschaikowski ist immer eine Gratwanderung zwischen Extremen, zwischen Kitsch und großer Kunst, und ich persönlich finde, er hat die Grenze so manches Mal überschritten. Geradezu symbolisch in den beiden berühmten Einzelkonzerten, versteckter in mancher Sinfonie und meines Erachtens offensichtlicher etwa in dieser Serenade. Aber ich höre schon die Einwände, definiere Kitsch ..“

Was mir aufgefallen, ist: da wo Tschaikowski nicht russisch-elegisch oder pathetisch ist, sondern „leicht“, da ist es immer im 3/4-Takt. Ich fühle mich also nicht gehindert, hier ausschließlich Walzer zu nennen.

Mein „ultimativer“ Tschaikowski-Walzer: der Blumenwalzer aus dem Nussknacker, das war wohl der auf der elterlichen LP, vielleicht sogar in dieser Aufnahme mit Karajan bei der Deutschen Grammophon Außerdem hier der erste Walzer aus Schwanensee.


Und die gelehrte Fachwelt diskutiert derweil folgendes:


„Tschaikowski – Ein absoluter Tiefpunkt der Musik des 19. Jahrhunderts? Ich habe mich mit der Frage nach dem Wert/Unwert von Pjotr Tschaikowsky einmal im Zusammenhang mit dem Kitsch-Vorwurf bei Adorno und bei Dahlhaus beschäftigt. Ich bin davon ausgegangen, dass der Vorwurf des Kitsches bei Tschaikowsky mehr im Auge des Betrachters liegt, als dass er schlüssig in der Musik nachgewiesen werden könnte. Wenn man die Kriterien "Authentizität", "Wohlgeformtheit", "Schönheit" und "Verständlichkeit" (Feurich S. 74f.) auf die Werke Tschaikowskys anwendet, so wird man mE nicht zu einem Urteil kommen, wie es etwa Schreiber an einer "Partei" festmacht: "Einer ungeheuren Anhängerschaft in der gesamten an Musik interessierten Welt [...] steht eine feste Front von (oft intellektuellen) Musikfreunden gegenüber, die in Tschaikowsky einen absoluten Tiefpunkt der Musik des 19. Jahrhunderts sehen." (Schreiber: Schallplatten. Klassik/Auslese, S. 267) Interessant finde ich schon die Verteilung der Schatten bei allem Bemühen um Objektivität. Ungeheuer (groß ist wohl gemeint) ist die eine Seite, intellektuell die andere. Da steht Massengeschmack gegen Wissen - und wir sind im Krieg um das Bessere, wie der Ausdruck "Front" verrät. Sehen wir uns die Gründe an, die Schreiber für beide Seiten anführt (nur die Haltung zu diesen Gründen unterscheidet sich). "Die Verbindung von slawischen Espressivo mit mitteleuropäischen Musikformen ist ebenso bedenklich wie populär." Das gilt mE auch für Schostakowitsch. Ist "slawischer Espressivo" nur in Rohform erlaubt wie beim von Rimsky nicht bearbeitetem Mussorgsky? Was sind "mitteleuropäische Musikformen"? Ist ein Walzer bei Chopin erlaubt, bei Strawinsky aber verboten? Oder steckt da nicht die Urangst dahinter, dass Popularität bedenklich ist? Bedenklicher scheint mir - mit Verlaub - mangelnde Verständlichkeit (s. Kriterium Nr. 4 bei Feurich). Also verständlich ist Tschaikowsky offensichtlich, wie steht es mit den anderen Kategorien der ästhetischen Wertung? "Tschaikowskys Neigung, Musik als Ausdrucksgefäß persönlicher Neurosen zu benutzen, ist nicht minder bedenklich wie populär, was auch für die notwendigerweise aus solchen Spannungen entstehenden Vulgaritäten gilt." Dieser Satz ist für mich so bedenklich, wie nur einer sein kann. Man kann Musik - auch mit Nutzen - psychoanalytisch betrachten, man hat es mit unterschiedlichem Erfolg etwa bei Gluck, Mozart - und selbstverständlich bei Wagner versucht. Ob man es kann, hat wenig mit dem Wert oder Unwert der Musik zu tun. Sind bei Berg nicht auch "persönliche Neurosen" in die Musik "gegossen"? Auch hier überrascht wenig, dass "populär" mit "bedenklich" gleichgesetzt wird. Auch der weitere Verlauf des Satzes stellt Rätsel: man findet dank der Neurosen "solche Spannungen", dass daraus "Vulgaritäten" entstehen. Wenn vorher die Trivialität gesucht wurde in der Verbindung von "slawischen Espressivo mit mitteleuropäischen Musikformen" wird sie hier wegen der musikalischen Verarbeitung von "Neurosen" postuliert. Diese behaupteten Vulgaritäten sollte man einmal näher unter die Lupe nehmen, auch da könnte der Vorwurf im Auge des Betrachters liegen und nicht im Werk Tschaikowskys selbst. Es mag sein - und darauf weist Tschaikowskys Selbstkritik hin - dass bei einer verfehlten Aufführung seines Werkes Triviales produziert wird - das geschieht aber bei Gluck, Mozart und Wagner gleichermaßen. Bei Gluck gibt es eine vielzitierte Äußerung in Bezug auf "Che farò senza Euridice". Dass man ein Werk missbrauchen kann, darf seinem Schöpfer nicht vorgeworfen werden, sonst dürften wir keinen Bach, keinen Beethoven und keinen Bruckner mehr hören. Immerhin weist die Überlegung Schreibers darauf hin, dass mangelnde Authentizität Tschaikowsky wohl kaum vorgeworfen werden kann. Wie kommt man nun zu dem Urteil, Tschaikowsky sei der Tiefpunkt des 19. Jahrhunderts? Sicher ist ein Grund genannt mit der Popularität Tschaikowskys. Authentizität muss also verbunden sein damit, dass man nur von einer (oft intellektuellen) In-Group geschätzt wird. Dass aber die Größe eines Kunstwerks eine Vielfalt von Zugängen zulässt, haben eigentlich alle Großen der Musikgeschichte bewiesen. Zu ihnen gehört Tschaikowsky, mag man ihn nun mögen oder nicht.“

Wer mag, kann der Diskussion hier weiter folgen:


https://www.capriccio-kulturforum.de/index.php?thread/1760-tschaikowski-–-ein-absoluter-tiefpunkt-der-musik-des-19-jahrhunderts/


Kommentare:

C: Danke für deine drei Favoriten von Tschaikowski im gestrigen Adventskalender. Sie gehören auch mit zu meinen Lieblingsstücken obwohl ich das 1. Klavierkonzert auch gerne anhöre. Zur Musik vom Schwanensee fällt mir immer wieder eine Tanzvorführung ein, die R.s beste Freunde zu seinem 50. Geburtstag einstudiert haben, damals köstlich anzusehen. Anbei einige Fotos.... (Aus Diskretionsgründen gelöscht)

Franz Schubert

Ein Komponist, der mir von Kindheit an geläufig ist, den ich aber zwischendurch ein bisschen aus den Augen verloren hatte.

Welches Bild habt ihr von Schubert? Mir fällt als erstes die Winterreise ein, die ich doch immer wieder gerne höre. Damit ist auch beinahe automatisch der Name von Dietrich Fischer-Dieskau verknüpft, der ja eine ganz bestimmte Diktion beim Singen hatte. Immer text-verständlich, aber mit einer Tendenz zur Überbetonung des Affektes, die einem stellenweise manieriert vorkommen kann. Aber seine Genauigkeit, seine tiefe Durchdringung von Text und Atmosphäre eines Stückes ist schon immer noch vorbildlich. Er hat überdies eine ganze Generation von Schülern geprägt.


Aber zurück zu Schubert.

Hier dazu eine interessante Diskussion bei Capriccio:

„Ein oft zitierter Ausspruch Franz Schuberts ist die Frage: "Kennen Sie eine fröhliche Musik?" - eine Frage, die impliziert, daß der Komponist selbst sie verneint hat, mithin selbst auch keine "fröhliche Musik" komponiert hat oder zu komponieren glaubte. Nun weiß ich zwar nicht, ob das Zitat authentisch ist, doch scheint es mir durchaus für das Verständnis der musikalischen Welt Schuberts wegweisend zu sein.“ „Wenn man will, kann man überall Trauer und Melancholie hören (in diesem Sinne wäre die Aussage von Schubert schon wieder passend) - schon eine hinzugefügte Septe zum Dominantakkord in einer einfachen Kadenz kann sich melancholisch anhören. Oder aber auch nicht, wie man's sieht. Mir scheint es in der heutigen Zeit sehr beliebt, allem Ernsten Trauer und Weltschmerz überzustülpen.“ „Ja, "lustig" heißt es bei Schubert in der Frage... Fröhlicher Schubert fiele mir schon einiger ein: fünfte Symphonie, die letzten beiden Sätze der "Großen C-Dur"... Aber "lustig“?“ "Ich vermute in der rhetorischen Frage Schuberts eine Momentaufnahme, die aber eine starke Tendenz widerspiegelt. und für mich schon charakteristisch ist für das, was Schubert (für mich) besonders macht: die wirklich nachtschwarze Finsternis, wie sie in der Unvollendeten sich ausbreitet, eine Tiefe, die ich wirklich nirgendwo sonst finde. Daraus jetzt zu konstruieren, daß Schubert immer melancholisch komponiert habe, finde ich allerdings (…) etwas konstruiert: eine Mode, die Ernst nur als Trauer kennt. Erstmal ist es eine Ermutigung an einen Kollegen, zu einem traurigen Lied zu stehen. Und ein polemisches Bekenntnis gegen allzuoft verlangte "lustige Musik". Wer von den ausübenden Musikern kennt nicht diesen Satz: "Spiel doch mal was lustiges!“?“


Das Wort Ernst finde ich dabei interessant. Es benennt etwas, das ich in Musik zunehmend zu schätzen gelernt habe. Ernst ist eben nicht gleichbedeutend mit traurig oder auch nur melancholisch.

Dazu mein Erlebnis in Bayreuth vor zwei Jahren: Ich hörte dort zum ersten Mal Parsifal. Obwohl ich Wagners Musik ganz gut kenne und sehr liebe - um den Parsifal hatte ich immer einen Bogen gemacht, der erschien mir als Spätwerk Wagners und mit all den Überhöhungen, die diesem Werk zugesprochen werden, so unverdaulich, dass ich mich nie daran getraut habe. Und ihn dann in Bayreuth zu sehen, habe ich ich mir quasi als „Aufgabe“ vorgenommen. Ich hatte auch bewusst vorher nichts gelesen oder so. Als das Orchester also mit dem Vorspiel anhob, liefen mir schon nach den ersten Takten die Tränen. Dieser schlichte Beginn mit einem aufsteigenden Dreiklang in den Streichern strahlt eine solche Würde, einen solchen Ernst aus, dass es mich wirklich heftig ergriffen hat. Diese Ergriffenheit hat sich dann durch den gesamten ersten Akt gezogen. Auch die Inszenierung hat das Ihre dazu getan, die fand ich sehr nachvollziehbar. Das gesamte Erlebnis „Bayreuth“ mit all seinen Inszenierungen rund um das Festspielhaus ist natürlich darauf ausgelegt, diesen Sog auszuüben, klar. Mir geht es jetzt um den „Ernst“ in der Musik, den ich hier sehr stark wahrgenommen habe.

Zurück zu Schubert. Natürlich war Schubert Teil meines Klavierunterrichts. Das Impromptu op. 90 D 899 Nr. 4. konnte ich sogar mal ganz leidlich und auswendig spielen, daher ist es heute das erste Stück, gespielt von Krystian Zimerman. Ganz so perlend wie bei ihm klangs bei mir natürlich nicht… ;-)

Schubert steht für mich hauptsächlich für das Lied. Das Kunstlied, das im Englischen auch „the Lied“ genannt wird. Eigentlich müsste es ein Stück aus der Winterreise sein. Aber das ist mir dann doch zu novemberlich derzeit…. Lieber konterkarieren wir den trüben November mit etwas anderen: „Du bist die Ruh“, D. 776, gesungen von Matthias Goerne, dem aktuell am meisten gerühmten Lied-Sänger, übrigens auch ein Fischer-Dieskau-Schüler. Wunderbares Legato, traumhaftes Piano, ein ganz tolles männliches Bassbariton-Timbre. Ich habs verglichen mit DFD mit Christian Gerhaher und einigen anderen, aber das ist die beste Version, believe me!

Und dann noch ein ganz zauberhaftes Chorstück von Schubert, der 23. Psalm op. post. 132, D 706. Frauenchor mit Klavier, wäre das nicht etwas für den MV? Ach, ich hätte so viele Vorschläge - aber wann hätten wir die Gelegenheit, das alles zum Besten geben?


Wer will, kann natürlich noch die „Unvollendete“ anhören, aber die gehört vielleicht für die Eine oder Andere in die Kategorie der „Abgenudelten“ Stücke, daher nicht in der Playlist.

Richard Strauss

Hier kommt eine kleine Auswahl von Richard Strauss. Der „monumentale“ Strauss der Alpensinfonie und von „Also sprach Zarathustra“ soll hier mal aussen vor bleiben - der gehört in den Konzertsaal, dort darf die Überwältigung geschehen, die ein Live-Musikerlebnis so unersetzlich macht. Hier lieber der „Salon-Strauss“.

Verschiedene Stimmen zu Strauss:

„Strauss zu hören ist wie eine halbe Stunde lang heiß zu duschen. Asketen und Ökos verdammen einen dafür, aber es es ist einfach herrlich...“
„... beim Hören von Strauss-Musik bekomme ich nach wenigen Augenblicken immer so ein unangenehmes Völlegefühl im Magen, als ob ich mich an zu fettiger + grober Speise überfressen hätte...“

In meiner Zeit im Oldenburger Chor hatte ich eine sehr enge Bindung ans Oldenburgische Staatstheater. Wir hatten von unseren Chorkonzerten viele Gutscheine für das Staatstheater, die ich immer bei Opernabenden eingelöst habe. So habe ich gleich mehrfach den Rosenkavalier gehört und seine recht komplexen Harmonien haben sich in meinem Hörgedächtnis eingebrannt. Strauss‘ Musik geht ja an die Ränder des Tonalen, ohne diesen Bereich ganz zu verlassen. Andererseits ist da auch eine gewisse Opulenz. Ich mag am Rosenkavalier gerade dieses Spiel zwischen den verschiedenen Ebenen, einerseits das Sujet aus der Zeit Maria-Theresia, andererseits der Wiener Walzer, den es zu der Zeit ja so noch gar nicht gab. Sentimentalität oder tiefes Gefühl? Ironie oder deftige Komik - es gibt beides.

„...gerade die sanfte Ironie, das leise rokoko-anachronistische Augenzwinkern, das sowohl Text als auch Musik durchzieht, macht die Sache doch so besonders anrührend“

Hier also der Monolog der Marschallin:

„Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding. Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie: sie ist um uns herum, sie ist auch in uns drinnen. In den Gesichtern rieselt sie, im Spiegel da rieselt sie, in meinen Schläfen fließt sie. Und zwischen mir und dir da fließt sie wieder. Lautlos, wie eine Sanduhr. Oh Quin-quin! Manchmal hör' ich sie fließen unaufhaltsam. Manchmal steh' ich auf, mitten in der Nacht und lass' die Uhren alle stehen. Allein man muß sich auch vor ihr nicht fürchten. Auch sie ist ein Geschöpf des Vaters, der uns alle erschaffen hat.“

Das hier ist wohl die Aufnahme, die ich (als Best-Of-Platte) in meiner Jugend oft gehört habe, mit Marianne Schech und Irmgard Seefried. Die Marschallin ist eine „alternde Frau“ hier - von etwa Mitte Dreißig! Das ist schon ganz schön larmoyant aus unserer heutigen Sicht. Aber das Gefühl, das sie ausdrückt, kennen wir ja mittlerweile wohl alle.

Dann kommt hier ein instrumentales Stück, die Mondschein-Musik aus Capriccio.

Und dann noch das wunderschöne Lied „Morgen!“ op. 27 Nr. 4.


Strauss schenkte das Lied seiner Braut zur Hochzeit. Hier in der Version mit Klavierbegleitung, gesungen von Jonas Kaufmann. Für mich die beste Version. Kaufmann singt hier einfach wunderbar. Es gibt auch eine Version mit Orchesterbegleitung, aber da kommt dann tatsächlich das oben erwähnte Völlegefühl auf.


Felix und Fanny Mendelssohn

Heute habe ich uns einmal nur Klaviermusik ausgesucht, und zwar vom Geschwisterpaar Felix Mendelsssohn Bartholdy und seiner Schwester Fanny Mendelssohn-Hensel. Auch keine langen Erklärungen dazu, einfach schöne Musik.


Kommentare:

A: Die Mendelssohn Klavierstücke - the Songs without words und - the man I love von Gershwin- sind wunderschön - ich höre sie immer wieder und sie erinnern mich sehr an frühere Zeiten ... mit viel Klavier spielen und Klaviermusik!

Dimitri Schostakowitsch

heute schicke ich euch Musik von Dimitri Schostakowitsch.

Ich lese gerade das Buch „Der Lärm der Zeit“ von Julian Barnes.


»Was macht dieses so leichte, so schwere Buch mit uns? Es versucht, schnelles Urteilen zu verhindern.«

Auf dem Klappentext steht, es sei ein optimistisches Buch - das kann ich gar nicht nachvollziehen. Vielmehr ist es überaus beklemmend, wie die Angst vor der „Macht“ in der Stalinistischen und Nachstalinistischen Sowjetzeit ihn immer weiter in die innere Emigration und Selbstverachtung trieb.

Um die Musik von S.hatte ich bisher einen großen Bogen gemacht - keine Ahnung warum, er hatte sich mir bisher nicht erschlossen. Das Werk von S. ist ja sehr umfangreich, allein 15 Sinfonien, mehrere Opern und Ballette, einige Filmmusiken, Kammermusik usw. Bisher habe ich mir auch nur einen sehr kleinen Teil erarbeiten können.

Dennoch habe ich ein paar Stücke gefunden, die ich mittlerweile gerne höre: Dazu gehört einmal seine erste Sinfonie, die er als Abschlussarbeit vom Konservatorium im Alter von 19 Jahren schrieb. Die Sinfonie machte große Furore und sicherte ihm ersten Ruhm. Wikipedia sagt darüber:

„Die Sinfonie war ein außergewöhnlicher Erfolg für ein Erstlingswerk eines Komponisten. Selbst heute noch wird die Sinfonie als eine seiner besten Arbeiten betrachtet.“

Sehr toll sind aber besonders seine Klavierkonzerte, und die jeweiligen zweiten Sätze passen gut hierher:

Einmal das Klavierkonzert Nr. 1 op. 35, das er zunächst als Trompetenkonzert schrieb, der Klavierpart kam erst nach und nach dazu. Hier ein paar Textfunde dazu:


„Effektvolles Gestalten hatte er nicht zuletzt in seinem Studentenjob als Stummfilm- pianist gelernt; jetzt entstand eine Fülle eigener Film- und Theatermusiken, die allesamt von schrägem Humor durchzogen sind – Musik von hohem Unterhaltungswert, auf den er auch in „ernsten" Gattungen nicht verzichten wollte. Zu den Kennzeichen des gereiften Schostakowitsch, der von avantgardistischen Experimenten allmählich Abstand nahm, gehört, dass er Triviales und Musik vergangener Epochen als Mittel der Satire einfließen lässt. Indem er mit Schablonen spielt, erhält er seiner Musik die charakteristische Distanziertheit. Doch inzwischen vermag er es auch, große (ehrliche) Ge- fühle darzustellen. Umso schärfer wirkt der Kontrast, und umso mehr Spaß macht spürbar dem Komponisten die musikalische Entlarvung, die den Hörer an den existenziellen Wurzeln packt! Der Mut zum Banalen verleiht Schostakowitschs Musik Erzählkraft und Volkstümlichkeit im Sinne von Lebensnähe. Das 1. Klavierkonzert, seine wohl letzte Komposition, in der jugendlich-fröhlicher Optimismus ungetrübt zum Klingen kommt, ist eines der Kernstücke jener Lebensphase.“

Mein aktuelles Leib- und Magenstück ist das Andante aus dem 2. Klavierkonzert op. 102.

Hört bitte besonders auf die tiefen Streicher, wie sie ganz behutsam begleiten und die Harmonien grundieren. Das ist in dieser Aufnahme mit Teodor Currentzis wirklich traumhaft. Ich empfinde das als sehr tröstende Musik.


„Der Komponist Dmitri Schostakowitsch schrieb dieses Klavierkonzert für seinen klavierspielenden Sohn Maxim (der es bei seiner Gradierung am Moskauer Konservatorium uraufführte), von der Musik selbst hielt er jedoch nicht viel. „Keinen Wert“ sah er darin, ganz anders als das große Publikum, das dieses Konzert, und speziell dessen November-Andante, sehr schätzt. Und harmlos ist nichts bei Schostakowitsch. Auch hier lauern Abgründe und werden von der Musik gerade so eben haarscharf verfehlt. Dazu wirkt das melodische Material auch heute noch jung, frisch und gezügelt – anders als in so manchen der ernsthaften (aber auch redseligen) Werke des Meisters.“

Dann kommt einiges aus der Filmmusik zu Hamlet. S. hat dieses Sujet gleich zweimal vertont, dies ist aus der zweiten Version.

Und zum Schluss, als etwas heiterer „Rausschmeisser“ für heute, ein Walzer aus der Jazz-Suite No. 2. Habt viel Freude beim Hören!


Edvard Grieg

an diesem trüben Sonntag kommt einmal Musik aus dem hohen Norden: Edvard Grieg.

Die Morgenstimmung aus Peer Gynt haben wir ja dank C. schon in der Playlist. Hier kommen weitere Lieblingsstücke von Grieg.

Wir bleiben erst noch bei Peer Gynt. Ich erinnere mich ebenso gerne wie du, C., an unsere Aufführungen mit John Fiore und mit Johann von Bülow. Ich muss immer an Fiores schnaufenden Eifer denken, wenn er im Star-Talk vor dem Konzert im Schnelldurchgang Motive aus dem kommenden Programm vorstellte - voller Begeisterung, mit vielen musikalischen Bezügen und Querverweisen, denen ein ungeübter Zuschauer sicher nur schwerlich folgen konnte, und dabei total amüsant und voller Selbstironie. Tolles Entertainment. Und sein immer enthusiastisches und sehr freundliches Dirigat. Sehr gut in Erinnerung habe ich auch noch die Sprechkunst von Johann von Bülow, den ich vorher weniger gekannt hatte, aber seitdem einen sehr tollen Schauspieler finde.

Nun hier also einmal Solveigs Wiegenlied mit dem anschließenden Choral. Ich habe einige Aufnahmen durchgehört, bis ich diese hier fand, die mir am besten erscheint: Schlichtheit, (im Orchester fast ein bisschen karg), Wärme in der Stimme, der Choral von weit her kommend. Orchester und Chor aus Bergen/Norwegen, na das muss doch authentisch sein. Hört euch zum Spass mal Anna Netrebko mit dem Wiegenlied an, das passt überhaupt nicht, finde ich.

Als nächstes eines von den Lyrischen Stücken op. 68 Nr. 2. Es heisst „At the cradle“, allerdings steht hier die Großmutter an der Wiege. Es heißt auch „Großmutters Menuett“. Zauberhaft schwebend, wie ich finde.

Neben dem melancholischen, nordisch klaren Klang gibt es bei Grieg tatsächlich viele Tänze, daher kommt hier noch einer aus den Symphonischen Tänzen op. 64. Wer mag, kann ja in diese Aufnahme von Parvo Järvi noch etwas länger reinzuhören.

Und dann natürlich das Klavierkonzert von Grieg. Da denke ich an ein schönes Konzert vor ein Paar Jahren in der Hamburger Musikhalle, wenn ich mich recht erinnere mit dem sehr jungen Artur Jussen, dem einen Teil eines niederländischen Brüderduos.

Eine Referenz-Aufnahme ist angeblich die mit Herbert von Karajan (HvK) und Krystian Zimerman. Die Zusammenarbeit soll allerdings nicht so gut geklappt haben - sie sollen sich bei dieser Aufnahme zerstritten haben und danach nicht mehr miteinander musiziert haben.

Ich mag gerne eine andere Aufnahme: die von Leif Ove Andsnes mit Kitayenko (ah, und wieder das Bergen Philharmonic Orchestra!). Ganz anders dagegen, aber auch nachvollziehbar: die Aufnahme mit Alice Sara Ott, die ja einen besonders klaren Anschlag hat. Klingt alles etwas „sportlicher“, vielleicht jugendlicher, nicht so umflort wie die „echt norwegische“ Aufnahme. Das macht richtig Spaß, die Aufnahmen zu vergleichen. Alles natürlich rein subjektive und vielleicht reichlich assoziative Bemerkungen. Hört doch mal selber rein, sind alle bei Spotify zu finden.

Ich wünsche allen noch einen schönen Sonntag-Abend!

Französische Chansons

Noch befinden wir uns im November, da darf auch noch einmal der graue Nebel durch unseren musikalischen Kalender ziehen, aber der Advent ist ja nicht mehr fern, ab kommenden Sonntag (spätestens) wird die Stimmung dann auf jeden Fall wechseln.


Heute sind wir in Frankreich. In einer kleinen Ecke meiner musikalischen Erinnerung habe ich eine Liebe zu Chansons. Und zwar die ganz klassischen, mit allen Assoziationen an das Paris der 50er und 60er Jahre, Existentialismus, Sartre, schwarzer Rollkragen, Gauloises etc. Zum Beispiel nach Gedichten von Jaques Prevert wie „Les feuilles mortes“ und „Barbara“ und „Les enfants qui s’aiment“ oder von Jacques Brel, dem Flamen, der seine Heimat mit „Le plat pays“ besingt und “Ne me quitte pas“.


Yves Montand, dessen Stimme für mich immer eine nette Selbstironie hatte und der Frankreich mit Hollywood verband: „Les cireurs de souliers de Broadway“. Etwas jüngerer Generation ist Yves Duteil: „Prendre un enfant“.


Im Französisch-Leistungskurs sprachen wir auch ein ganzes Semester über den Chanson. Hier ging es eher um das politische Chanson, engagiert vertreten von einem 68er-Lehrer „auf dem Marsch durch die Institutionen“. Fand ich eher fad, Georges Brassens mit seiner Moustache und seiner Pfeife, bräsig.


Aber die erste Zeile eines der behandelten Chansons wird mit unvergesslich bleiben: „La veuve et l’orphelin, quoi de plus emouvant..“, daher hier zum Schluss auch dieser Titel noch. Georges Brassens, "La fessée

Habt ihr auch einen Lieblings-Chanson - und welche Assoziationen kommen euch dabei?


Kommentare:

C: Habe gerade meinen Lieblings-Chanson von Edith Piaf hinzugefügt: Non, je ne regrette rien.

Das Lied wurde kürzlich auf der Trauerfeier einer Freundin gespielt [...]. Das Lied passte zu ihr und es blieb kein Auge trocken.

Leider habe ich die französische Sprache in den letzten 50 Jahren sehr vernachlässigt und es fehlen mir so viele Vokabeln. Daher verstehe ich bei den meisten Chansons den Text nicht, aber ich höre sie trotzdem immer wieder gerne an, die meist melancholische Stimmung zieht mich an.... Danke für deine, mal wieder gelungene, Auswahl toller Chansons.


Benjamin Britten: Young Person's Guide to the Orchestra

Bald habe ich meine frühen musikalischen Erinnerungen so ziemlich durchschritten. Aber drei Stücke fehlen auf jeden Fall noch:


Benjamin Britten: Young Person‘s Guide To The Orchestra op. 34, hier in einer Einspielung mit Sir Simon Rattle - sehr schwungvoll und jugendlich. Daraus die Ouvertüre, die Oboen (Variation B), Celli (Variation G) Trompeten (Var. K) und die Schlussfuge.

Modest Mussorgski: Bilder einer Ausstellung

Bilder einer Ausstellung von Mussorgski, Daraus die Promenade I, Nr.1, Gnomus (fand ich immer sehr unheimlich), Promenade IV, Nr. 5 (das Ballett der Küken in ihren Schalen) und Nr. 10 Das große Tor von Kiew.

Sergej Prokofiew: Peter und der Wolf

Und dann darf ja nicht fehlen: Peter und der Wolf von Prokofiev. Vertraut klingt mir die Aufnahme mit Karl-Heinz Böhm als Erzähler, es gibt auch eine ältere Aufnahme mit Karajan und Romy Schneider als Erzählerin (sehr kindliche Stimme, die also eher Peters Perspektive einnimmt.) Für die Hamburger unter uns gibt es eine Version mit Boy Gobert (langjähriger Intendant des Thalia-Theaters). Der Kölner würde wohl die Version mit Willy Millowitsch mögen, der Düsseldorfer vielleicht die mit Campino - die hat im Jahr 2016 den Echo Classic gewonnen, ist noch mit einigen Sound-Effekten angereichert und sprachlich modernisiert. Ich bleibe bei Böhm. Andantino "Früh am Morgen öffnete Peter" + Schlusssatz "Nun stellt euch den Triumphzug vor".



Wenn ich so zurück denke, bin ich voller Dankbarkeit für meine Musiklehrerin Frau Witte an der Liebfrauenschule, die ein wirkliches stabiles Fundament der musikalischen Bildung gelegt hat, eine Art Kanon an musikalischer Literatur vermittelte, mit uns die Schöpfung im Schulchor gesungen usw. usw. Ich müsste mal meine ehemaligen Mitschüler fragen, welche Erinnerungen sie an den Musikunterricht haben - ich habe nur die besten!!!


Ich denke eher mit etwas Schaudern an meine Klavierlehrerin in Oldenburg, Frau S., die sehr streng war und einen furchtbar bitteren Zug um den Mund hatte. Aber wir hatten neben dem Klavierspiel auch Unterricht in Harmonielehre, das war sehr lehrreich. So habe ich früh verstanden, dass Musik viel mit Struktur zu tun hat, dass man sie analysieren kann und der musikalische Genuss dadurch stark steigt. Weniger Erinnerungen habe ich an meinen ersten Klavierlehrer, Professor Erich Böhlke, ehemaliger GMD in Oldenburg, der wie mein Großvater mütterlicherseits aus Stettin stammte und auch das gleiche Lehrerseminar wie mein Großvater besuchte (beide sind dann aber keine Lehrer geworden). Prof. Böhlke sprach immer gerne von "seinem Freund Richard Strauss". Spannend, er hatte bei Humperdinck, Busoni, Schönberg und Toscanini studiert - wusste ich alles noch nicht, habe ich gerade beim Googlen rausgefunden


Ganz zum Abschluss für diese Playlist kommen die zwei persönlichsten Erinnerungen: Zwei Lieder, die mich in meine ganz frühe Kindheit zurück führen.

Meine Großmutter mütterlicherseits war eine überaus resolute Frau - eine frühe „Frauenrechtlerin“ könnte man sagen, vielseitig interessiert, immer mit ihrer (wie sie selbst fand) zu geringen Bildung hadernd, war an Geschichte und Zeitgeschehen ebenso interessiert wie an Mode oder Literatur. Musik gehörte jedoch nicht zu ihren Interessengebieten. Sie sagte mir bei meinen Besuchen in Hamburg (ich war eigentlich in allen Schulferien bei ihr) lieber Gedichte auf. Natürlich aus dem Gedächtnis. Prinz Eugen der edle Ritter, der Ring des Polykrates, solche Sachen. Oder sie sang, zu ihrem eigenen Amüsement, Moritaten: Bolle reiste einst zu Pfingsten oder aber Sabinchen war ein Frauenzimmer. Wenn ich an einzelne Textstellen denke, kann ich ihre Stimme noch hören.

Und ich höre meine Mutter dieses niederdeutsche Volkslied singen - Dat du min Leevsten büst - mit einer ganz zart gezupften Begleitung auf der Gitarre, die in meinem ersten Kinderzimmer hing. Schöne Erinnerungen.

(Beweisfoto: Im Hintergrund ist die Gitarre zu erkennen)



Hier kommt noch einmal der Link zur Playlist bei Spotify, einfach anklicken:




 
 
 

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